19. bis 23. August 2007
Highlights - Altstadt - Bund - Bund Sightseeing Tunnel - Fake Markt - Hafenrundfahrt - Hotel Sofitel Hyland - Huaihai Road - Huxinting Teehaus - Jadebuddhatemple - Jin Mao Tower - Nanjing Road - Peoples Square - Transrapid - Yu Yuan Garten - Yu Yuan Steingarten
Ein simpler Fernsehbericht gab den Ausschlag für unser diesjähriges Reiseziel. Mit der für uns bis dato unbekannten China Eastern Airlines, die ihre Gäste kurz vor der Landung mit einem (Anti-Trombose) Fitnessprogramm beglückt, flogen wir von Frankfurt in die 18-Millionen Metropole Shanghai.
Nun stellt das Taxi sicherlich die bequemste Art der Fahrt in die Innenstadt dar. Dennoch ließen wir es uns nicht nehmen, mit dem Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst zu reisen. Die Rede ist natürlich vom Transrapid, der hier Maglev heißt und uns mit bis zu 430 km/h gen Innenstadt beförderte. Unpraktischer Weise beendet der Maglev seine nur 8minütige Fahrt bereits vor den Toren der Stadt, wo der mit Gepäck beladene Fluggast auf die Metro umzusteigen hat. Ein Grund dafür, warum der Maglev nicht wirklich gut angenommen wird.
Unser Hotel in Shanghai war eine wirklich ausgezeichnet Wahl. Mit seiner glitzernden Glasfassade unterbricht das Sofitel Hyland das Meer der Neonlichter der Nanjing Lu, der Einkaufsstraße Shanghai's schlechthin, auf der an einem guten Wochenende schon mal 1,7 Millionen Passanten gezählt werden.
Wir bezogen ein Zimmer in der 24. Etage mit einer atemberaubenden Aussicht auf den Bund und den Orient Pearl Tower.
Ein sehr nettes Detail unseres Zimmers lernten wir gleich bei unserem ersten Stadtbummel schätzen. Während sich der Himmel über Shanghai verdunkelte und der Regen nicht lange auf sich warten ließ, entdeckten wir im Kleiderschrank einen großen Regenschirm, unter dem bequem zwei Platz fanden.
Gut beschirmt verließen wir die tief gekühlte Lobby des Hotels ins etwa 34 Grad heiße und mit geschätzten 100 Prozent Luftfeuchte erdrückende Shanghai, wo wir vom Strom abertausender Bummler der Nanjing Lu mitgerissen wurden.
Es dauerte keine zwei Schritte, um von einem der vielen Dealer mit gefakten Waren umworben zu werden. Sätze wie: "Do you want watchs, shirts, DVD´s?" sind die wohl meist ausgesprochenen auf der Nanjing Lu und von dort gar nicht mehr wegzudenken. Begegnet man ihnen mit einem freundlichen "Bu yao", was übersetzt soviel wie "Ich möchte nichts!" heißt, lassen sie aber schnell von einem ab. Sie mögen penetrant sein, unfreundlich aber sind sie nicht.
Der Nanjing Lu folgten wir hinunter zum Bund, einer 1,5 km lange Uferpromenade entlang des Huangpu River, vor der sich die berühmte Postkartenkulisse der Skyline Shanghais erstreckt, natürlich dominiert von der 468 m hohen "Perle des Orients", dem Oriental Pearl Tower.
Tipp:
Apropos Postkartenkulisse. Wer als Shanghai-Tourist seinen Lieben daheim mit einer Postkarte beglücken möchte, sollte sich rechtzeitig auf die Suche danach begeben. Erstaunt mussten wir feststellen, dass hier die Postkarten nicht an jeder Straßenecke verkauft werden. Wir wurden erst in einem größeren Büchershop fündig. Briefmarken wiederum kauft man unkompliziert an der Rezeption des Hotels.
Die kurze Distanz vom Bund hinüber in die Sonderwirtschaftszone Pudong auf die andere Uferseite des Huangpu River, wo man unweigerlich auf den Oriental Pearl Tower trifft, kann man entweder schwimmend zurücklegen (was sich bei dem regen Schiffsverkehr und dem unappetitlich trüben Wasser weniger empfiehlt), mit der Fähre übersetzen (obwohl wir während unseres Aufenthaltes nie wirklich herausgefunden haben, von wo die Fähre ablegt) oder unterirdisch mit der kleinen Kabinenbahn des "Bund Sightseeing Tunnel" zurücklegen. Für letzteres erwirbt man einen Rückfahrschein, der die Urlaubskasse mit 45 Yuan pro Person (etwa 4,50 €) belastet und wird auf der kurzen Fahrt mit verschiedenen Lichtillusionen unterhalten. Schön kitschig.
Für einen luftigen Überblick bieten sich dem Shanghai-Touristen 2 Möglichkeiten. Entweder man erklimmt die Aussichtsplattform des Oriental Pearl Tower und genießt eine Aussicht über Shanghai ohne dessen Wahrzeichen, oder man geht wie wir ein paar Schritte weiter zum Jin Mao Building.
Das mit 420 m eines der höchsten Gebäude der Welt erinnert in seiner Form an eine chinesische Pagode und beherbergt neben zahlreichen Büros auch das derzeit höchste Hotel der Welt. Für umgerechnet 7 € lifteten wir zur Aussichtsplattform in der 80. Etage und waren entsetzt über die schlechte Aussicht einer total versmogten Metropole. Dazu muss man wissen, dass die Luftverschmutzung in Shanghai um ein 50faches über den Werten einer deutschen Großstadt liegt.
Zurück am Bund kehrten wir gegen 18:30 Uhr in eines der zahlreichen Restaurants ein, wo sich Bettina für Hühnchenfleisch und Sushi entschied, Mario dagegen Meeresfrüchtesuppe und gebratenen Oktopus für's Abendbrot wählte. Mit 2 Bier für jeden belief sich die Rechnung auf moderate 15 Euro.
Auf dem Rückweg zum Hotel hielten wir vergeblich Ausschau nach einem Supermarkt, wo wir uns mit reichlich Trinkwasser eindecken konnten. Das Problem ist, dass das Leitungswasser keine Trinkwasserqualität hat und sich allenfalls zum Zähneputzen eignet. Obwohl unser Hotel täglich 2 Flaschen Mineralwasser bereitstellt, fordern Hitze und Luftfeuchte ihren Tribut, sodass wir nicht umhin kamen, das -na sagen wir für chinesische Verhältnisse- überteuerte Mineralwasser an den Kiosken der Nanjing Lu zu kaufen.
Es ist kaum 6 Stunden her, dass wir unser Hotelzimmer nach einem Mittagsschlaf am frühen Nachmittag zu unserem ersten Ausflug verließen. Obwohl also das Zimmer gerade erst bezogen wurde, war das Bett gemacht, die Bettdecke war zur Nachtruhe zurückgeschlagen, die hauseigenen Gästehausschuhe waren bereitgestellt und ein Betthupferl wurde aufs Kopfkissen trapiert. Zudem stand auf jedem Nachttisch eine neue Flasche Mineralwasser bereit. Na wenn man sich hier nicht wohl fühlt, wo dann?
2. Tag
Das keine Wünsche offen lassende und mit reichlich Früchten versehene Frühstücksbuffet wurde in einer Lounge in der 30. Etage aufgebaut. So gestärkt und mit der grandiosen Aussicht ließ sich der Tag hervorragend beginnen.
Fast an die Uferpromenade des Huangpu River grenzend, liegt südlich der Nanjing Lu die Chinesische Altstadt. „The Old City“ wird eingerahmt von einer Ringstraße, bestehend aus der Renmin Lu und der Zhonghua Lu, welche genau an der Stelle angelegt ist, wo 1911 die alte Stadtmauer niedergerissen wurde. Zwar sind die im chinesischen Stil erbauten Häuser nicht sonderlich alt, mit ihren verschnörkelten Dächern aber allemal beeindruckend.
Zu Shanghais bedeutendsten klassischen Sehenswürdigkeiten zählt der im nordöstlichen Teil der Altstadt liegende Yu Yuan Garten, 1559, zur Zeit der Ming-Dynastie, als Ruhesitz eines hohen Beamten errichtet. Über die Jahrhunderte verfiel der Garten und wurde schließlich von Kaufleuten erworben, die im 18. und 19. Jahrhundert Wohn- und Versammlungsräume errichteten und dem Park seine jetzige Form verliehen. Während des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937-1945) beschädigt, ließ die Regierung Shanghais den Park 1956 renovieren und schließlich 1961 der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Im Herzen des Yu Yuan Garten residiert Shanghais berühmtestes Teehaus. Das Huxinting Teehaus wurde 1784 von Baumwollhändlern errichtet und zählte schon Queen Elizabeth II. und Bill Clinton zu seinen Gästen. Zu dem „Pavillon im See“ (Huxinting) führt eine Zickzack-Brücke, die mit ihren 9 Biegungen böse Geister fernhalten soll, da diese nur geradeaus gehen können.
Recht unscheinbar befindet sich in einer Seitenstraße, die ihren Ursprung an der westlichen Zickzack-Brücke des Teehauses hat, der Eingang zum Steingarten. Die Landschaft des Gartens ist geprägt von kleinen Pavillons, kleinen Bächen und zahlreichen Pflanzen. Außerdem steht hier ein 21m hoher Baum, von dem es heißt, er sei vom Gründer des Gartens persönlich gepflanzt worden.
Gesäumt ist der Steingarten von einer Drachenmauer, von der man sagt, dass deren Bau schon ein gewagtes Unterfangen war, denn die Verwendung des Drachenmotivs war nur dem Kaiser vorbehalten. Um nicht den Zorn des Kaisers auf sich zu ziehen, hat der Drachen auf der Mauer, im Gegensatz zum kaiserlichen Drachen, nur 4 Klauen.
Direkt an der zum Huxinting Teehaus führenden Zickzack-Brücke steht der City God Temple, der in der Ming-Zeit als Sitz des Schutzpatrons von Shanghai galt. 1951 wurde der Tempel durch die Stadtväter Shanghais in ein taoistisches Zentrum umgewandelt, bevor er während der Kulturrevolution gänzlich stillgelegt und fortan als Schmuckshop dienen musste. 1994 wurde der Tempel wieder seiner früheren Nutzung als Wohnsitz taoistischer Priester zugeführt und 2006 einer kompletten Restauration unterzogen.
Einen Abendbummel absolvierten wir westlich der Chinesischen Altstadt, wo nur ein paar Querstraßen entfernt die durch das Französische Viertel führende Flaniermeile Huaihai Donglu beginnt. Gesäumt mit zahlreichen Edelboutiquen ist sie allerdings den Besserverdienenden vorenthalten. Für uns, wie auch den meisten Westeuropäern verliert der Boulevard insofern an Reiz, als hier, wie überall auf den Prachtmeilen dieser Welt, die gängigen Mode-Labels wie Dior, Yves Saint Laurent etc. anzutreffen und wirkliche Schnäppchen nicht zu machen sind.
Die von der Rush Hour gebeutelten Straßen der Stadt geben zur Abendzeit nur schwerlich ein Taxi frei. Ergo zwängten wir uns in einen der völlig überfüllten Wagen der Metro, wobei hier gleich anzumerken sei, dass das Einsteigen ohne nachschiebende Angestellte möglich war, also nicht so, wie man es aus Fernsehberichten über Japans Hauptstadt kennt.
Unser Hotel offerierte uns jeden Abend eine zweistündige Happy Hour, in der alle Getränke, egal was, auf Kosten des Hauses gehen. Was sich zunächst ziemlich versoffen anhört, entwickelte sich während unseres Aufenthaltes zu einer sehr angenehmen Zeremonie. Der Bummel durch eine Mega-Metropole wie Shanghai geht nicht spurlos an einem vorüber, sodass man sich bereits tagsüber freut auf die ruhige, entspannende Atmosphäre der Sofitel-Lounge und der dezenten Background-Musik, wo wirklich rein gar nichts von der hektischen und lauten Stadt durchdringt.
Zu unseren Wahlgetränk Rotwein bzw. Whisky wurden immer wieder kleine Häppchen gereicht, die sowohl für Auge als auch für Gaumen ein Schmaus waren.
3. Tag
Von Freunden, denen bereits vor uns das Vergnügen eines Shanghai-Aufenthaltes zuteil wurde, bekamen wir den Tipp, doch unbedingt einen der Fake-Märkte zu besuchen, wie sie an jeder Ecke der Stadt anzutreffen seien. Schließlich ist gerade China in Sachen Raubkopien kein unbeschriebenes Blatt. Doch in der Zeit, die zwischen deren und unserer Reise vergangen ist, hat sich eine ganze Menge getan. China hat sich dem Druck der westlichen Welt gebeugt und geht nun selbst gezielt gegen Produktpiraterie vor. Im Zuge dessen wurden alle Fake-Märkte der Stadt geschlossen, was wiederum die vielen fliegenden Händler in den Touristenzentren erklären dürfte.
Beim Frühstück erhielten wir von einem jungen Holländer, der in unserem Hotel seit etwa 6 Monaten ein Auslandpraktikum absolviert und daher mit der Stadt sehr vertraut ist, nicht nur den Tipp sondern auch die Adresse für den Fenshine Fashion Markt. Die Adresse wird mit einem Klick auf das Foto sichtbar und lässt sich in der pdf-Druckansicht des Reiseberichtes (am Ende dieser Seite) ausdrucken.
Dem Fahrer des Taxis, das vor unserem Hotel wartete, reichten wir einen Zettel, auf dem uns der junge Holländer die Adresse des Marktes in chinesischen Lettern notierte. Somit gab es keine Verständigungsprobleme und wir erreichten nach einer hektischen Fahrt das gewünschte Gebäude.
Der Markt selbst ist angelegt wie ein Kaufhaus. Auf 3 Etagen verteilen sich zahllose kleine Shops, welche dem äußeren Anschein nach lediglich Kleidung oder Modeschmuck verkaufen. Dank des europäischen Aussehens wird man aber bei jedem Schritt, vor jedem Stand angesprochen oder gar an den Armen gepackt und in einer der Shops unfreiwillig hineingezogen.
Äußert man Interesse an einem Produkt, findet man sich sehr schnell hinter einem Vorhang wieder, wo dann das gewünschte offeriert wird.
Den Bummel durch diesen Markt empfanden wir als pures Abenteuer, was aber nicht unbedingt negativ gemeint ist. Es ist schon etwas nervend, dieses ewige Gezerre, aber das Gefeilsche um den passenden Preis war schon sehr amüsant. Und das für beide Seiten. Sollte man unbedingt einmal probieren.
Beispielsweise interessierte sich Mario für eine Uhr. Kaum war dieser Wunsch vorgetragen, wurden aus allen Ecken der Etage Alu-Koffer herbei getragen, in denen ein unüberschaubarer Vorrat an Uhren schlummerte.
Die Suche auf eine bestimmte Marke einschränkend, reduzierten sich die Anzahl der Koffer auf überschaubare zwei. Als dann noch ein passendes Modell gefunden wurde, begann das Gefeilsche um den Preis. So wurde die Uhr als in seiner Qualität einzigartiges Exemplar umworben und der Preis auf gepflegte 1250 Yuan, was etwa 125 Euro entspricht, festgesetzt. Natürlich war der Preis undiskutabel, was auch zum Ausdruck gebracht wurde. Mit einem "Give me youl plice" wurde erkundschaftet, welche Summe wir bereit wären zu zahlen. Wir mauerten tief und stiegen bei 80 Yuan, also 8 Euro ein. Ein "Booaahh" kam uns entgegen. Viel zu wenig. "Best quality". Noch ein verächtliches Schmunzeln und der Preis fiel auf 65 Euro. Das wiederum rief bei uns nur ein Schmunzeln hervor. "Okay, give me youl final plice!" kam es uns entgegen. Nach knallharter Kalkulation nannten wir 100 Yuan. An dem Rumgehüpfe und den zahlreichen Flüchen war unschwer zu erkennen, dass auch dies entschieden zu wenig war. Nun wurde uns ein Block und einen Stift gereicht, auf dem wir unseren absolut letzten Preis aufschreiben sollten. Beim Anblick der Zahl krümmte er sich leicht und schien den Tränen nahe. Die Zahl 120 schien weit weg jeder Vorstellungskraft zu sein. Von überall gesellten sich Händler zu uns und redeten auf uns ein, welch tolle Qualität die Uhr doch habe. Wir sollten uns das noch einmal überlegen und schließlich den nun wirklich letzten Preis nennen. Ein wenig Mitleid hatten wir schon und so stiegen wir über uns hinaus und nannten 150 Yuan. Als auch dieser Preis unannehmbar schien, schickten wir uns an zu gehen. Erst als wir uns, natürlich betont langsam, dem Stand entfernten, kam uns der Händler mit seiner Ware hinterher und das Geschäft ging für 15 Euro über die Bühne. Von 165 auf 15 Euro, hört sich doch gut an, aber jeder Shaghai-Kenner weiß, dass die Uhr selbst für 10 Euro den Besitzer gewechselt hätte. Egal, Spaß hat es allemal gemacht. Die Uhr übrigens hat gerade 3 Monate durchgehalten.
Am Nachmittag starteten wir zu einer Bootstour auf dem Huangpu River. An der Uferpromenade vor dem Bund stießen wir auf zahlreiche Veranstalter solcher Touren und entschieden uns für eine Bootstour, die quasi augenblicklich losgehen sollte. Die einstündige Fahrt kostete 48 Yuan p.P., wobei der Kurs vom Yuan zum Euro 1 zu 10 betrug, also 10 Yuan sind ein Euro.
Nachdem die Karten bezahlt waren, folgten wir einer kleinen Gruppe zum … äh, richtig, Reisebus. Unsere Verunsicherung muss uns förmlich ins Gesicht geschrieben sein. Denn mit einigem Gestikulieren, Englisch spricht man nicht und Chinesisch kommt uns Spanisch vor, versuchte man uns zu überzeugen, doch auf dem richtigen Weg zu sein. Nach dem Motto “Reisen sollte nur ein Mensch, der sich ständig überraschen lassen will“ (Oskar Maria Graf [1894-1967]) stiegen wir in den Bus und fuhren in die Nähe des Shanghai International Port, dem Hafen von Shanghai.
Am Rande bemerkt sein, dass der Hafen von Shanghai gemessen am Gesamtumschlag 2005 den Welthafen Rotterdam überholt hat und zudem ein Tiefseehafenprojekt die Containerumschlagkapazität bis zum Jahr 2020 verzehnfachen soll.
Der Reisebus parkte direkt vor einem Ausflugsdampfer, mit dem wir in der nächsten Stunde über das lehmigfarbene Wasser des Huangpu River schipperten, vorbei an Bund und Orient Pearl Tower, eben jene Sehenswürdigkeiten, die jeder Shanghai-Tourist zur Genüge zu Gesicht bekommt. Wirklich interessant war der rege Schiffsverkehr auf dem Strom, der gemeinsam mit der eisgekühlten Dose Tsingtao-Bier von den bei sonnig schwülen 34 Grad besonders gut am Körper klebenden Klamotten ablenkte.
Abendbrot wurde heut in einem Restaurant am Bund eingenommen. Außer Sushi gab es für Bettina Reis mit Lachs, Mario bestellte sich Garnelen.
4. Tag
Die letzte Nacht war für Mario wirklich bewegend. Die Garnelen hätten wohl von jemand anderes bestellt werden sollen und so verdammten sie ihn noch den halben Vormittag zu Indoor-Aktivitäten mit kurzen Zwischenspurt gen Kloschüssel.
Als die Garnelen sich ihrer neuen Umgebung anzupassen schienen, stiegen wir ins Taxi und ließen uns vor dem „Jadebuddhatempel“ aussetzen. Die Fahrt dorthin dauerte etwa 30 Minuten und kostete lediglich 2 Euro.
Der Tempel wurde von 1918-1928 eigens für zwei, je aus einem einzigen weißen Jadeblock geschnittene Buddhafiguren errichtet, die der Mönch namens Huigen 1882 von einer Pilgerreise aus Burma nach China mitgebrachte. Ein erster, 1882 errichteter Tempel verfiel alsbald, sodass der Bau des zweiten, heute noch existierenden Tempels erforderlich wurde.
Die erste Statue zeigt einen schlafenden Buddha bei seinen Eintritt ins Nirwana. Die zweite Statue ist die des sitzenden Buddhas, 1,90 Meter hoch, 1 Tonne schwer und mit Edelsteinen geschmückt.
Neben diesen beiden Prunkstücken besitzt der Tempel weitere Schätze wie Schriftrollen und eine vollständige Ausgabe der buddhistischen Kanons aus dem Jahr 1890. Während wir unsere Aufmerksamkeit den in der vorderen Halle versammelten Figuren schenkten, da wären z.B. die Figur des Medizin Buddhas aus dem 5. Jahrhundert, eine Bronzestatue des Sakyamuni und eine hölzerne Figur der Göttin der Barmherzigkeit aus der Ming Dynastie, meldeten sich bei Mario die Garnelen zurück. Nach nur einer knappen Stunde Aufenthalt stürzten wir uns auf das nächste Taxi, drückten dem Fahrer die in chinesischer Schrift gehaltene Visitenkarte des Hotels in die Hand und beteten, dass wir das Fahrzeug so verlassen werden, wie wir es vorgefunden haben.
Unter Zuhilfenahme zweier Lopedium sah die Welt nach einer Stunde viel freundlicher aus. Des Gewusels und des Lärms der Stadt etwas überdrüssig geworden, entschieden wir uns zu einem Spaziergang im nahe gelegenen Peoples Square, den wir paradoxer Weise über die belebte Nanjing Road erreichten.
Der sehr gepflegte Park bietet eine willkommene Gelegenheit, einfach mal durchzuatmen und sich dem Puls der Stadt, wenn auch nur für eine kurze Zeit, zu entziehen.
Die Garnelen des Vorabends noch gut in Erinnerung kehrten wir gegen Abend in ein italienisches Restaurant ein, dessen unterhaltsamer Besitzer allerdings serbischen Ursprungs war und ließen die Finger von Meeresfrüchten jeglicher Art.
5. Tag
Am heutigen Morgen riss uns unser Reisewecker schon frühzeitig aus unseren Träumen. Die Uhr zeigte gerade die siebte Stunde des Tages an, als wir unser Gepäck in den Kofferraum eines VW Jetta-Taxis stülpten und als Ziel der Fahrt die Longyang Road Station angaben, der Haltestelle des Transrapid. Natürlich wollten wir es und nicht entgehen lassen, ein letztes Mal mit dem Transrapid zu fahren, der uns dann auch schnell und sicher am Flughafen absetzte.
Damit endet unsere erste Bekanntschaft mit Shanghai. Gegen Mittag bestiegen wir einen kunterbunten Jet der China Eastern Airlines, der uns in knapp 5 Stunden zu unserer zweiten Urlaubsetappe Singapur brachte.