17. Juli bis 7. August 2004
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Im Allgemeinen geht das Gerücht um, die Schweiz sei ein teures Pflaster.
Doch nun ist Schluss damit!
3 Wochen Schweiz reichen aus um zu wissen, die Schweiz ist nicht teuer…
die Schweiz ist MEGA-TEUER.
und dennoch eine Reise wert.
1. Tag
Obwohl wir unseren 3wöchigen
Campingurlaub ganz der Schweiz widmeten, fiel die Wahl unseres ersten
Stellplatzes auf den Campingplatz in dem kleinen Örtchen Niederzell auf der Insel Reichenau
am Zeller See, wo wir nach einer Zwischenübernachtung auf einem Autohof am
Vormittag des 19. Juli 2004 ankamen. Unsere Wahl fiel auf diesen Campingplatz
wegen seiner Nähe zu Konstanz und der Schweizer Grenzstadt Kreuzlingen, dem
Wohnort unserer Bekannten Margrit. Es wäre aber gelogen, würden wir behaupten,
dass bei der Wahl des Campingplatzes der Preis eine untergeordnete Rolle
gespielt hätten.
Das Aufstellen und Einrichten des Wohnwagens waren bei Temperaturen um 30 Grad eine recht schwitzige Angelegenheit, sodass im Anschluss unweigerlich die Erfrischung im Zeller See zu suchen war.
Gegen 18 Uhr besuchte uns unsere Bekannte aus der Schweizer Grenzstadt Kreuzlingen und gemeinsam heizten wir dem Grill ein und servierten mitgebrachten Kartoffelsalat.
Im Laufe des Abends verabredeten wir uns zu einer gemeinsamen Wanderung am Folgetag, gegen 23 Uhr verabschiedete sich unsere Bekannte. Wir genossen noch den milden Abend bis 30 Minuten nach Mitternacht.
2. Tag
Nach gepflegten sechseinhalb Stunden Schlaf zerrte es uns gegen 7 Uhr aus den Federn. Gegen 8:30 Uhr fuhren wir in die Schweiz, um uns in Kreuzlingen wiederum mit unserer Bekannten zu treffen. Sie ist eine geübte Wanderin und natürlich gute Schweizkennerin lud uns zu einer sehr schönen 5stündigen Wanderung ein. Vorher fragte sie uns, ob wir uns eine solche Tour überhaupt zutrauen, aber eine 5stündige Tour sollte schon noch passen. Gemeinsam fuhren wir ins etwa 55 km entfernte Brülisau im Kanton Appenzell.
Mit der Seilbahn fuhren wir auf
den Hoher Kasten (1795 m) und wanderten den Kamm entlang zum Sämtiser See.
Schnell ergriff uns der Eindruck, uns mit dieser nimmer enden wollenden Tour
übernommen zu haben. Während unsere Bekannte genüsslich über Stock und Stein
schlenderte, hechelten wir Städter auf der Suche nach dem Licht am Ende des
Tunnels hinterher. Man mag den Eindruck gewonnen haben, dass sie häufig,
vielleicht etwas mitleidig, auf uns warten musste. Nach etwa 4 Stunden
erreichten wir reichlich erschöpft eine Hütte am Sämtiser See, wo wir uns
niederließen und frische Alpenkuhmilch probierten. Dass es zwischenzeitlich angefangen hat zu
regnen, störte zu diesem Zeitpunkt kaum.
Intelligent, wie wir nun mal sind, haben wir unseren warmen Pullover und unsere Regenjacken in anbetracht des anfangs hervorragenden Wetters im Auto gelassen. Als der Regen so stark wurde, dass wir uns talwärts wandernd in einem kleinen Heuschober unterstellen mussten, beschlich uns unmerklich der Anflug von Reue.
Das Wetter lud nun wahrlich niemanden mehr zum Wandern ein. Auch wenn der Weg bis zum Parkplatz nun befestigt war, kamen wir nicht umhin, ein talwärts fahrendes Fahrzeug anzuhalten und um Mitnahme zu bitten. Typisch Schweizer antwortete der Fahrer mit einem freundlichen „Ich bin aber kein Taxi!“. Aber ob des Regens hatte er ein Einsehen und ließ uns in seinen Jeep springen. Während der annähernd 20minütigen Fahrt stellte sich heraus, dass sich der Fahrer als Kuhbesamer seine Brötchen verdient und zufällig einen Auftrag oben auf der Alm hatte.
Er setzte uns direkt vor unserem Auto ab, worauf wir ihm dankbar 10 Franken in die Hand drückten und verabschiedeten.
Schnell entledigten wir uns der feuchten Klamotten und freuten uns über unsere Sitzheizung, die uns während der Fahrt nach Appenzell wärmte. In Appenzell schlenderten wir bei nachlassendem Regen, aber dennoch mit Schirm bewaffnet, durch die herrliche Altstadt mit seinen vielen bemalten Holzhäusern. Wir nutzten die Zeit zu einem Bummel entlang der Hauptstraße und stöberten in den vielen Souvenir- und Trachtenläden, wo für Mario gar ein Pullover abfiel.
Über 400 verschieden Käsesorten
werden in der Alpenrepublik hergestellt. Einer der Bekanntesten ist der
Appenzeller. Neben den vielen Souvenirläden der Hauptstraße findet man eine
Reihe von Geschäften, in den sich alles nur um Käse dreht und die immer eine
große Auswahl für den Feinschmecker bereithalten.
Man möge sich mal das Aroma vorstellen, welches von den Käsetheken hinaus in die malerischen Gassen getragen wird und einem wie Mario, der jeden Käse meidet, den Magen umkrempelt.
Gegen 21 Uhr waren wir schließlich wieder in Konstanz, wo wir uns zunächst an einem Imbiss mit Döner eindeckten und den Abend am Ufer des Bodensees ausklingen ließen.
Die Strapazen des letzten Tages weg geschlafen, verbrachten wir den Vormittag mit ein paar Aufräumarbeiten.
Den Nachmittag reservierten wir
uns für eine Stadtbesichtigung in Konstanz, eine der südlichsten Städte
Deutschlands, wohin wir gegen 12:30 Uhr aufbrachen. Zuerst flanierten wir durch
die schöne Altstadt, um anschließend einen erholsamen Spaziergang am Bodensee zu
absolvieren. Unseren Bummel beendeten wir mit der Besichtigung des
beeindruckenden
Konstanzer Münsters, welches in den Jahren 1052 bis 1089 erbaut
wurde und zu den Wahrzeichen von Konstanz gezählt werden darf.
Es folgte ein Großeinkauf im Supermarkt, wo wir uns mit reichlich Lebensmittel für die bevorstehenden Tage in der Schweiz eindeckten.
Zurück auf dem Campingplatz belohnten wir uns gegen 16 Uhr mit einem wohltuenden Kaffee um uns anschließend auf unsere Räder zu schwingen und eine Radeltour auf der Insel Reichenau folgen zu lassen.
Auf der Insel Reichenau dominiert zweifellos der Agraranbau. Überall trifft man auf großflächige Äcker und Gewächshäuser, wo von den frühen Morgenstunden bis in den späten Abend hinein geschuftet wird. Viele Landwirte bieten ihre Produkte an Ständen mit der Kasse des Vertrauens zum Kauf an, wobei die veranschlagten Preise konkurrenzlos billig sind.
Natürlich lässt Bettina es sich nicht nehmen, ihr Lenkradkörbchen mit reichlich Gemüse voll zu laden, und das mit Hingabe.
So bepackt erreichten wir gegen 18 Uhr den Campingplatz, worauf wir uns aufs Abendbrot vorbereiteten und den Grill anheizten. Die Zeit bis zum Auflegen der Grillscheiben nutzten wir zum Abbau und Verstauen des Sonnendaches, was, wie sich bald herausstellen sollte, eine sehr weise Entscheidung gewesen war.
In der Nacht wurde die Region von einem furchtbaren Gewitter heimgesucht. Während Blitze die Umgebung im Sekundentakt erhellten und der Donner darauf Kund tat, dass wir uns im Zentrum des Gewitters befanden, goss es wie aus Kannen. Als wir mit ansehen mussten, wie sich der Campingplatz binnen Minuten in ein stehendes Gewässer verwandelte, waren wir schon sehr froh, in einem Wohnwagen und nicht in einem Zelt zu liegen.
4. Tag
Am Morgen danach herrschte allgemeine Betriebsamkeit auf dem Gelände. Überall wurde geputzt um den Dreck, den der Regen mit sich brachte, aus den (Vor-) Zelten zu bannen.
Eine mit einem Klappfix angereiste österreichische Familie berichtete uns, dass in der Nacht das Wasser in ihrem Vorzelt auf etwa 10 cm angestiegen sei.
Froh, uns nicht in die Putzkolonne einreihen zu müssen, machten wir unser Wägelchen nach dem Frühstück reisefertig und verließen gegen 12:00 Uhr die Insel in Richtung Schweiz.
Zunächst führte unsere Route quer durch Zürich und Luzern, wo wir schnell feststellen mussten, dass im Großstadtverkehr die berühmte Schweizer Gastlichkeit auf der Strecke bleibt. Hier wird mit dem Fahrzeug um jeden Zentimeter Platz gekämpft, sodass es recht anstrengend war, heil mit dem Wohnwagen hindurchzumanövrieren.
Richtig bunt wurde es aber am Brüningpass, einer kurvenreichen 19 km langen Passstraße, die die Kantone Bern und Obwalden miteinander verbindet. Bei einer Steigung von bis zu 13% trieben wir unseren Wagen mit unserer Immobilie auf eine Passhöhe von 1008 Meter, wo wir unserem Auto eine Verschnaufpause und uns eine Rast gönnten.
Nach einer Gesamtstrecke von
240 km erreichten wir nach einer Fahrzeit von kaum mehr als 3 Stunden den
Campingplatz Aaregg in Brienz.
Der Campingplatz liegt direkt am Brienzer See, eingebettet in das Panorama von hohen Bergen. Die Aussicht ist einfach
traumhaft, egal wohin das Auge schaut.
Die Campingplatzpreise sind
schweiztypisch hoch, für unsere Parzelle, dem Wohnwagen nebst Auto, 2 Personen
und eine Strompauschale bezahlten wir inkl. Duschen 30 Euro je Nacht. Wir
stellten unseren Wohnwagen am Rand einer zum Campingplatz gehörenden Wiese vor
den Toren des Campingplatzes auf und hatten so eine unverbaubare Sicht auf die
Berge. Eine gute Wahl, wie wir die nächsten Tage erfahren sollten, denn der
Campingplatz füllte sich bis zur absoluten Auslastung.
Nachdem also der Wohnwagen aufgestellt und wohnlich war und auch das Vorzelt stand, verbrachten wir die Zeit bis zum Abendbrot mit einer Abkühlung im Brienzer See.
5. Tag
Nach einer sehr gewittrigen Nacht gab es gegen 9:30 Uhr frische Brötchen vom campingplatzeigenen Backshop. Bei einem Preis von 60 Cent je Brötchen könnte man fast meinen, dass es sich dabei um ein Luxusgut handelt. Dabei waren sie genauso schnell weggeputzt, wie all die anderen Brötchen dieser Welt auch.
Zum ersten Ausflugsziel des
Tages wurden die
Trümmelbachfällen
erkoren, in dessen Einzugsgebiet die
Gletscherwände von Eiger, Mönch und Jungfrau liegen. Mit einem Aufzug gelangt
man im Inneren des Berges Schwarzer Mönch zu zehn Gletscherfällen, über die bis
zu 20.000 Liter Wasser pro Sekunde!!! ohrenbetäubend bis zu 200 m ins Tal
stürzen. Sehr beeindruckend und unbedingt sehenswert.
Wesentlich beschaulicher geht
es dagegen in dem sehr idyllisch gelegenen und von Touristen völlig überlaufen,
Urlaubsort Lauterbrunnen (800 m) zu. Unweit des Wander- und Skizentrums Grindelwald
gelegen, liegt Lauterbrunnen mitten in der Jungfrauregion, welche Ende 2001 von
der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde und
als Herz der Berner Alpen gilt. Das in einem Tal liegende Lauterbrunnen ist
somit umgeben von Drei- und Viertausendern, allen voran dem Eiger (3970 m), dem
Mönch (4099 m) und der Jungfrau (4158 m).
Wahrzeichen von Lauterbrunnen ist der Staubachfall, wo sich die Wassermassen an einer überhängenden Felswand 300 m ins Tal stürzen.
In Lauterbrunnen befindet sich auch die Talstation Stechelberg, von wo uns am frühen Nachmittag eine Seilbahn für 30,40 Schweizer Franken (entspricht 19,80 Euro) in die autofreie Stadt Mürren (1650 m) beförderte.
Ab der Bergstation folgten wir
einem ausgeschilderten Panorama-Wanderweg zu einem zweistündigen Rundgang. Immer
wieder legten wir kleine Pausen ein. Mal zwang uns einsetzender Regen dazu,
meist jedoch war es die traumhafte Aussicht auf die schneebedeckten Gletscher
des Gebirges. Für diesen Rundgang sind keine besonderen Anforderungen, bzw.
keine alpine Kenntnisse erforderlich.
Abschließend folgte noch eine Besichtigung von Mürren, in dessen Zentrum wir gar eine ansehnliche Einkaufsmeile entdeckten. Mit der Seilbahn schwebten wir hinab zu unseren Autos, gegen 20 Uhr erreichten wir unseren Campingplatz, wo wir dem Grill mächtig einheizten.
Ein Programmhinweis an der
Rezeption des Campingplatzes kündigte für den heutigen Tag ein Trachtenfest auf
den Männlichen
(2345 m) an und bestimmte so maßgeblich unseren heutigen Programmverlauf.
Der Männlichen ist beliebtes Wander- und Wintersportgebiet und wird wegen seiner hervorragenden Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau gern als Aussichts- und Sonnenterasse der Jungfrau-Region bezeichnet. Ab der Talstation Grund in Grindelwald bewältigten wir die nächsten 1280 Höhenmeter mit der längsten Gondelbahn Europas (6,2 km) und ließen uns zur Bergstation in 2222 Meter liften.
Uns war schon im Vorfeld klar, dass Stimmung und Wetter zum Verweilen einladen werden. Um sicher zu gehen, dass wir uns nicht festsitzen und das Wandern zu kurz kommt, kauften wir uns im Tal für 47 SFr je Nase (ca. 31,50 Euro) eine Kombi-Karte, die für uns bergauf die Fahrt mit der Männlichenbahn vorsah und bergab ab der Station Kleine Scheidegg (2061 m) die Fahrt bergab mit der Wengernalpbahn beinhaltete, von der uns eine etwa 90minütige Wanderung trennte.
Mit uns pilgerten
zahlreiche Schaulustige auf den Berg und ließen sich bei prächtig Sonnenschein
und der Kulisse dieser grandiosen Aussicht unterhalten. Geboten wurde vor dem
Berghaus Männlichen ein bunter Mix aus Volkstümlichen, Tanz, Besenklopfen (oder
wie immer man das nennen möge), Peitschenakrobatik und natürlich wurde ins
Alphorn geblasen.
Nach soviel Unterhaltung machten wir uns auf den Weg und fanden Abseits des Trubels ein ruhiges Plätzchen zum Picknicken. Gerade in dem Moment, als der Tee eingegossen und die Butterbrote ausgepackt wurden und wir wieder nicht umhin kamen, diese grandiose Aussicht zu bewundern, spielten am Berghaus die Alphörner auf, deren Klänge weit reichend die Luft füllten. Dieser Augenblick und diese Akustik waren wirklich filmreif.
Auch auf kurzen Wanderungen in den
Bergen empfiehlt sich immer eine gute Ausrüstung. Entsprechend vorbereitet
schnallten wir schließlich unseren Rucksack um, worauf uns unsere neuen, extra
für diesen Urlaub angeschafften
Wanderstiefel
einen gut ausgebauten und ausgeschilderten Panoramaweg entlang führten, auf dem
uns Spaziergänger mit Sandalen und Kinderwagen entgegenkamen. Na Super.
Reichlich Betrieb herrschte an der Station Kleine Scheidegg, wo 3 Züge der Jungfraubahn vom Jungfraujoch ankamen und sich zahlreiche Besucher auf die Wengernalpbahn mit Ziel Wengern im Osten oder eben Grindelwald im Westen verteilten.
Zurück am Auto starteten wir gegen 18 Uhr zum Campingplatz, wo es auch schon an die Vorbereitungen für unser Abendbrot ging, bevor wir den Grill einkreisten.
Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir Richtung Interlaken und von dort über die Autobahn A8 in die mit 123.000 Einwohnern viertgrößte Stadt der Schweiz, die Rede ist von Bern.
Die Autobahn verlassend folgten
wir den Wegweisern ins Stadtzentrum und gelangten unweigerlich zum Bärengraben,
wo die Touristinformation beheimatet ist. Hier bietet sich ein kleiner
Spaziergang auf der davor verlaufende Hauptstraße Großer Muristalden an, die
aufgrund ihrer Steigung einen schönen Blick über Bern und seinem Münster
gestattet. Interessant ist die Straße auch wegen ihrer Nähe zur Altstadt und der
Möglichkeit, sein Auto für 90 Minuten kostenlos zu parken.
Nachdem wir uns mit Kartenmaterial eingedeckt haben, fuhren wir jedoch weiter, da uns 90 Minuten für einen Bummel durch Bern recht eng bemessen schienen. Stattdessen parkten wir den Wagen in einer Tiefgarage am Rathaus, ein idealer Ausgangspunkt für den Trip durch die Altstadt. Allerdings hat das Parkhaus seinen Preis, denn je angefangene Stunde verlangte man 3,80 SFr (etwa 2,50 Euro). Dafür gab es aber 4 Gutscheine für die kostenlose Benutzung von Busse und Bahnen zwischen Rathaus und dem Bahnhof von Bern, und damit quasi quer durch die herrliche Altstadt.
Unser erstes Ziel in Bern war
das nur wenige Schritte entfernte
Münster St. Vinzenz mit seinem berühmten, im
15. Jahrhundert entstanden Hauptportal, dessen Bogen mit 48 Skulpturen verziert
ist.
Vielmehr als eben nur das Hauptportal bekamen wir zu unserem Ärger von dem Münster, dessen Bauzeit 152 Jahre betrug (1421-1573), aber nicht zu sehen, da uns die schmiedeeisernen Tore versperrt blieben. Der Grund hierfür war schlicht und ergreifend Montag. Montag ist Ruhetag. Und das steht auch noch so in unserem Reiseführer… lesen müsste man können.
So blieb uns auch der Aufstieg über die enge Wendeltreppe zur Galerie des knapp 100 m hohen Kirchturms, der übrigens erst 1893 fertig gestellt wurde, und der damit verbundene Ausblick über Bern verwehrt.
Somit zottelten wir etwas betreten die Kramgasse entlang, mit seinen Häuserfassaden aus dem 18. Jahrhundert und den Schützenbrunnen eine der beschaulichsten Gassen Berns, und gelangten zum mittelalterlichen Zeitglockenturm. Die Ursprünge dieses Wahrzeichens von Bern reichen bis ins 12. Jahrhundert und das berühmte Glockenspiel erfreut seit 1530 Passanten. Immer zur vollen Stunde beginnt das Glockenspiel, in dessen Vorfeld ein Hahnenschrei den Beginn verkündet und zu dessen Abschluss ein goldener Narr die Glocke schlägt.
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Tipp: Das Essen in der Schweiz ist recht kostspielig. Verhältnismäßig günstig isst man dagegen in einem "Migros"-Restaurant, welches sich oftmals in unmittelbarer Nähe zu einem Einkaufsmarkt der "Migros"-Kette befindet. Die verschiedenen Tagesmenüs, bestehend aus einem Gericht, einem kleinen Salat und einem Dessert kosten hier zwischen 9 und 13 Euro. |
Gut gesättigt folgten wir der
verlängerten Kramgasse, die jenseits des Zeitglockenturm Marktgasse heißt,
vorbei am Kindlifresserbrunnen und gelangten so zum Hauptbahnhof, wo sich Mario
erst einmal umsehen musste.

Den Rückweg traten wir über die parallel zur Marktgasse verlaufende Schauplatzgasse an, die uns direkt zum Bundesplatz führte. Die Südseite des Bundesplatzes wird beherrscht vom stattlichen Bundeshaus mit seiner mächtigen Kuppel, dessen Nordfassade einem römischen Tempel nachempfunden wurde. Einem Schweizer Bundeshaus gebührend fanden Hölzer und Steine aus allen Landesteilen Verwendung, die von Handwerkern und Künstlern verbaut wurden, die ebenfalls aus allen Landesteilen der Schweiz stammten.
Zurück auf der Kramgasse ging
es Richtung Rathaus, nicht jedoch ohne zuvor dem
Albert-Einstein-Haus
einen Besuch abzustatten. In diesem schmalen Haus mit der Nummer 49 wohnte Albert
Einstein von 1903 bis 1905 und arbeitete zu dieser Zeit als kleiner Angestellter
im Berner Patentamt. In seiner Freizeit tüftelte der spätere
Physik-Nobelpreisträger an seiner Relativitätstheorie. Seine damalige Wohnung
beherbergt ein kleines Museum, in welchem Fotos und Dokumente ausgestellt sind.
Gegen 16:30 Uhr bereicherten wir den Parkscheinautomaten um reichlich Euros, worauf es zur Autobahn gen Interlaken ging. Etwa 40 Minuten später erreichten wir das Stadtzentrum von Interlaken, wo wir in einer Seitenstrasse des nahe gelegenen Einkaufszentrum „MM“ parkten und die bettelnde Parkuhr mit Euros für die nächsten 90 Minuten versorgten und zu einem kleinen Stadtbummel aufbrachen.
Nur ein paar Minuten nach Verlassen des Autos, wir hatten gerade die Rückseite des Einkaufszentrums erreicht, begann es wie aus Kübeln zu gießen. Ein frischer Wind ließ zudem die Temperatur merklich absinken. Schutzsuchend gesellten wir uns zu einer Schar Wasserscheuen, die sich am Eingang der Shoppingmall unter einem Schleppdach versammelten. Da es nicht den Anschein hatte, dass sich das Wetter in den nächsten Minuten grundlegend zum Guten ändern wird, hasteten wir zurück zum Auto und gaben den Parkplatz mit der gut gefütterten Parkuhr frei.
Zurück am Campingplatz verwöhnten wir uns in unserer nun beheizten Immobilie mit einer Tasse Kaffee. Gegen 21 Uhr gab es Abendbrot, worauf uns Abwasch und Aufräumarbeiten erst 23 Uhr zur Ruhe kommen ließen. Dementsprechend war heute erst gegen 2 Uhr Nachtruhe angesagt.
Nachdem uns unser gestriger Bummel durch Interlaken verregnet wurde, versuchten wir nach dem Frühstück einen neuen Anlauf. Diesmal parkten wir in einer Seitengasse nahe dem Westbahnhof. Nachteilig in den Straßen der Altstadt ist die generelle Parkzeitbegrenzung von 90 Minuten, wobei 30 Minuten Parken 1 Euro kostet.
Vorbei am Bahnhofsvorplatz ging
es entlang der Bahnhofstraße, bis wir den Centralplatz und den dahinter
liegenden Höheweg, die Ader der Stadt erreichten. Die von zahlreichen Touristen
bevölkerte Straße lädt mit vielen Shops und Souvenirläden zum Bummel ein, was
Bettina auch dankend annahm und sogleich ihren Vorrat an Hosen um ein Exemplar
erweiterte.
90 Minuten sind für einen Stadtbummel nicht gerade üppig, sodass wir alsbald den Rückweg zum Auto antreten mussten, bevor unsere Parkzeit abläuft.
Am Fahrzeug angekommen stockte uns erst einmal der Atem, das Wägelchen war die letzten 90 Minuten mit heruntergelassenen Seitenscheiben geparkt. Ein kurzer Kontrollblick zeigte aber, dass nichts fehlt. Selbst die so leicht zugängliche Freisprecheinrichtung war an ihrem Platz. Hechel, Hechel.
Das Auto fuhren wir in das Parkhaus des nahe gelegenen Einkaufszentrums, wo wir zunächst noch schnell ein paar Besorgungen an Lebensmitteln bei Migros erledigten. Mit unserem Einkauf konnten wir an der Kasse unseren Parkschein umtauschen, sodass uns die nachfolgende Parkzeit von knapp 3 Stunden gerade einmal 50 Rappen (35 Cent) kosten sollte. Hätte man früher wissen sollen.
Nachdem alle Lebensmittel im Auto verstaut waren, kehrten wir zunächst zur Mittagszeit ins Migros-Restaurant ein. Ohne den ständigen Blick auf die Uhr der hohen Parkgebühren wegen saß es sich gleich viel relaxter. Etwas schläfrig und beinfaul, dafür aber mit gefülltem Magen gönnten wir uns noch einen Kaffee, bevor wir wieder in das quirlige Interlaken eintauchten. Entlang der Großen Aare erreichten wir über die Marktgasse den Centralplatz und schlenderten weiter auf dem Höheweg.
Obwohl Interlaken als die
touristische Hochburg des Berner Oberlandes gilt, hat uns die Stadt nicht
wirklich vom Hocker gehauen. Das Leben ist vom Tourismus geprägt und verstopfte
Straßen und überfüllte Gehwege tragen wenig zum Charme und Flair bei, den man
von einer schweizerischen Ferienregion erwartet.
Zurück in der Tiefgarage stellten wir erst einmal fest, dass uns das Parkticket abhanden gekommen ist. Super gespart, denn gleich werden wir dank Strafgebühr die Euros dahingehen sehen. Als wir an der Information unser Malheur schilderten, wurde sogleich das dicke Buch hervorgeholt und unsere Adresse eingetragen. Das wird teuer…
Nach freiwilliger Benennung der Parkdauer und Vorlage der Quittung unseres Einkaufes bei Migros wurde uns ein neuer Parkschein ausgestellt, wofür wir 50 Rappen berappen mussten.
Damit entsprach die Summe genau den vorhergesagten Kosten, nämlich eben jene 35 Cent. Kein Cent extra. Das nenne ich mal Service.
Gegen 18 Uhr erreichten wir unseren Campingplatz, der sich über Tag extrem gefüllt hat. Eine Hinweistafel am Eingang zeigte an, dass der Platz ausgebucht war, was die noch zahlreich anreisenden Campingfreunde nicht gerade amüsierte.
Unserem gestrigen Stadtbummel
ließen wir heute wieder einen Ausflug in die Natur folgen und starteten gegen 10
Uhr zu einer Wanderung auf die südlich des Brienzer See gelegene Axalp (1500 m).
Bereits in Brienz ist die Axalp gut ausgeschildert, sodass uns die Suche nach
dem richtigen Weg erspart blieb. Auf einer sehr schmalen Bergstraße, auf der ein
entgegenkommender Linienbus schon ein ernstzunehmendes Hindernis ist, fuhren wir
vorbei an den Giessbachfällen, deren Besichtigung wir uns für den Nachmittag
vorgenommen haben und parkten vor dem Hotel Bellevue am Fuße der Axalp.
Im Winter 1998/99 hinterließen
Lawinen und Sturm „Lothar“ entlang des Weges von der Axalp zum Hinterburgseeli
(1515 m) enorme Schäden. Die Vielzahl umgestürzter Bäume brachte
regionale Holzschnitzer auf die Idee, aus den noch vorhandenen Baumstümpfen
Skulpturen zu schnitzen. Schnell ließen sich weitere Holzbildhauer für dieses
Projekt begeistern, wo doch dieses alte Handwerk in dieser Region liebevoll
gepflegt wird und in Brienz eine Schule für Holzbildhauerei steht.
So entstand in den folgenden
Jahren eine ansehnliche Sammlung von Skulpturen, die, und das sei hier nochmals
betont, ausschließlich in den Stümpfen der bei Sturm und Lawinen umgeknickten
Bäume gehauen wurden. Seither trägt der Weg zum Hinterburgseeli den Namen „Schnitzlerweg“.
Auch wir konnten, 5 Jahre danach, den Schnitzern bei ihrem Handwerk zusehen, denn das öffentliche Interesse war so überwältigend, dass sich die Brienzer motivierten, ihre unentgeltliche Schnitzertätigkeit fortzusetzen.
Nach etwa einer Stunde
erreichten wir den bei strahlend Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad
gut besuchten Hinterburgseeli. Der erste Gedanke wurde verschwendet für
einen schnellen Sprung in diesen von Bergen umgebenen romantischen Bergsee.
Zum Glück, möchte man meinen, beobachteten wir eine junge Frau, die mutig in den Bergsee hüpfte, einen kurzen Schrei von sich gab und augenblicklich wieder an Land anzutreffen war. Das Wasser war wohl nicht wenig kalt.
Ein Schluck aus der Wasserflasche kann eben mitunter auch sehr erfrischend sein . . .
Aufgefallen sind uns einige Feuerstellen, die von verschiedenen Besuchern ständig mit Brennholz versorgt wurden und so für Nachfolgende am Brennen gehalten. Manche kamen mit Bratwurst und Kartoffeln und veranstalteten hier ihr Barbecue.
Zurück zur Axalp wählten wir
den etwas längeren Weg über den Bergkamm. Vom Hinterburgseeli ging es steil
bergauf, was unseren erschlafften Pulsschlag glatt verdreifachte und unser Deo
versagen ließ. Dafür entschädigte, oben angelangt, das Panorama vollends. An
dieser Aussicht hinab ins Brienzer Tal bis hinüber zum Rothorn (2350 m) mag man
sich einfach nicht satt sehen. So war die Wanderung auf dem fast menschenleeren
Kammweg natürlich ein Genuss und so manches Rindviech, das sich schon von weitem
mit seiner Kuhglocke ankündigte, schien ein klein wenig zufrieden, die
Sommermonate auf der Alp verbringen zu können.
Gegen 14 Uhr erreichten wir unser Auto und stoppten talwärts zunächst an den schon erwähnten Giessbachfällen. Über 14 Kaskaden stürzen die Wassermassen mehrerer Gebirgsbäche insgesamt 400 m tief ins Tal. Der Clou ist eine Brücke, die direkt unter einem Vorsprung errichtet wurde und so einen Spaziergang unter dem Wasserfall hindurch erlaubt.
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Sowohl die Giessbachfälle, als auch die Axalp lassen sich bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Vom Bahnhof Brienz fährt ein Bus der Firma Flück-Reisen. Informationen über Fahrplan und Preise findet man hier. |
Keine 15 km entfernt befindet sich nahe der Gemeinde Meiringen die Aareschlucht, mit deren Besuch wir unseren heutigen Tag abrundeten.
Auf einer Länge von 1400 m
durchquert der Gebirgsfluss Aare diese gleichnamige bis zu 200 m tiefe Schlucht,
deren Entstehung bis zum heutigen Tag nicht genau datiert werden kann. Auf einen gut 1-2 m breiten und auf Stahlträgern im Fels verankerten Holzsteg
lässt sich die Aareschlucht auf einer Länge von etwa 1300 Meter erkunden.
Für den Eintrittspreis von 7 SFr
pro Person (ca. 4,70 Euro) ist einem der Rückweg selbst überlassen. Entweder man
verlässt die Aareschlucht an deren Ende und läuft die 1,3 km außerhalb auf einem
Wanderweg zum Ausgangspunkt zurück, oder man wählt wiederum den Weg durch die
Aareschlucht. Für die etwas laufmüde gewordenen gibt es für
9 SFr (6 Euro) eine Rückfahrt mit der Meiringen-Innertkirchen Bahn. Dazu läuft
man nach Verlassen der Aareschlucht zur Bahnstation, wo man durch rechtzeitigen
Fingerzeig dem Lokführer eines regulären Personenzuges seinen Fahrtwunsch
signalisiert. Ohne dieses Bemerkbarmachen würde der Zug an dieser Station ohne
Halt durchfahren.
Gegen 18 Uhr waren wir zurück am Wohnwagen, wo wir zunächst eine Kaffeepause einlegten, bevor es an die Vorbereitungen für die bevorstehende Weiterreise ging.
Am Abend haben wir uns bei einem Fest auf dem Campingplatz kulturell unterhalten lassen. Geboten wurde allerlei Programm, von Trachtengruppe bis hin zu einem Alphornbläser, wovon wir uns bis etwa 23:30 Uhr unterhalten ließen.
Die Spezialität des Abends war Käsebrot. Hierzu wurde ein großer Block Käse unter einer Heizröhre erhitzt, worauf die obere geschmolzene Schicht mit einem Messer abgetragen und auf Schwarzbrot geschmiert wurde. Man mag sich mal dieses Aroma vorstellen, welches in konzentrierter Form in der Luft lag. Mario´s Leidenschaft für Käse ist ja nun kein Geheimnis mehr. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen dreht sich sein Magen. Super.