4 erlebnisreiche Tage in Denver markierten den Beginn unserer Urlaubsreise. Am Nachmittag des 29.08.2006
erreichten wir den etwa 2 Autostunden von Denver entfernten Ferienort Estes Park, sozusagen dem Tor zum Rocky Mountain Nationalpark. Sehr schnell fanden wir eine kleine und vor allem bezahlbare Lodge einer Schweizer Auswandererfamilie, wo wir uns für 67 Dollar/Nacht in einem Doppelzimmer einquartierten.
Obwohl
das Zimmer in seinen Ausmaßen nicht wirklich überwältigte, fühlten wir uns
dennoch ziemlich wohl. Das lag zum einen an den sehr netten, aus Zürich
stammenden und erst vor wenigen Jahren übergesiedelten Inhabern, aber auch an
den sauberen, wenn auch einfach eingerichteten Zimmern, in denen Kleinigkeiten
wie die Blümchenbettwäsche oder der mit Blümchen bestickte Duschvorhang
Schweizer Flair vermittelte.
Nach einer schnellen Tasse Kaffee brachen wir gegen 17 Uhr zu einem ersten Besuch in den nur 8 Kilometer entfernten Rocky Mountain Nationalpark auf. An der Beaver Meadows Entrance Station erwarben wir für 50 Dollar den Rocky Mountain Nationalpass, der uns ein Jahr lang in alle Nationalparks der USA freien Eintritt ermöglichen wird. Nun möge man meinen, dass 50 Dollar eine Menge Geld ist, hierbei sollte aber berücksichtigt werden, dass der Eintritt in nur einem Nationalpark allein bis zu 25 Dollar kosten kann und sich die Ausgabe bereits ab dem dritten Nationalparkbesuch amortisiert.
Zunächst folgten wir der Trail Ridge Road, eine den Nationalpark auf ca. 80 km
Länge umschlingende Panoramastraße, um nach nur wenigen Kilometern auf eine
große, in freier Wildbahn lebende Herde Hirsche mit ihren Kühen zu stoßen.
Leider setzte zu dieser Zeit heftiger Regen ein, sodass wir nach einem kleinen
Aufenthalt
unsere Fahrt auf der Trail Ridge Road fortsetzten. Die Straße führte uns in
Regionen jenseits der 3.000er Marke, die Außentemperaturanzeige fiel stetig von
11 Grad auf null Grad und der Regen verwandelte sich in heftigen Schneefall, als
mitten auf der Straße der Jeep eines Rangers mit eingeschalteten Signallicht
geparkt war und jeglichen Verkehr an der Weiterfahrt hinderte. Der Grund dafür
war schnell geklärt, die Straße wurde aufgrund von böigem Schneefall und den für
die Nacht erwarteten Frost gesperrt.
Halloooo???... Wir sind hier im Sommerurlaub. Nach Norwegen ist dies nun schon unser zweiter Urlaub in Folge mit Schnee im Sommer. Was blieb uns anderes übrig, als kehrt zu machen und zurück nach Estes Park zu fahren.
Am Abend folgten wir der Empfehlung unser Schweizer Gastgeber und verlagerten das Abendessen in das angeblich beste Steakhaus der Stadt, welches wir nach einem 15minütigen Fußmarsch erreichten. Überraschender Weise passte uns ein Angestellter des mit exakt Null Gästen besetzten Restaurants bereits an der Tür mit einem „Sorry, we are closed!“ ab. Großartig, schließlich war es ja bereits 20:15 Uhr, also kurz vor Mitternacht . . .
Mit in den Kniekehlen rumschlabberndem Magen trabten wir die 15 Minuten wieder
zurück zum Motel. Frustriert holten wir Brot, Wurst, Tomaten und was sonst noch
unser Kühlschrank hergab heraus und verlegten unser Abendbrot vor den Fernseher
unseres Zimmers, wo auf CNN gerade die Emmy-Verleihung übertragen wurde. ![]()
2. Tag
Trotz des
miserablen
Wetters am Vortag erfuhren
wir an der
Main Entrance Station, dass die Trail Ridge Road heute wieder geöffnet wurde und
somit auf ihrer gesamten Länge befahrbar sein wird. Der für einen Montagmorgen
erstaunlich gut befahrenen Road folgend, kamen wir nicht umhin, unsere Fahrt
durch mehrere
Stopps
zu unterbrechen, um die zum Teil atemberaubenden Aussichten zu inhalieren. Nach
fast 36 km Fahrt passierten wir den mit einer Höhe von 3.713 m ü.d.M.
höchstgelegenen Punkt der Panoramastraße und erreichten gleich danach das
Alpine Visitor Center, von dessen Parkplatz wir in geringer Entfernung
Murmeltieren bei ihrer emsigen Körperhygiene zuschauen konnten.
Vom
Alpine Visitor Center führt ein gut ausgebauter, wenn auch recht kurzer Wanderweg zu
einem Aussichtspunkt, dessen steiler Anstieg kaum erahnen lässt, dass dieser mit
3.659 m Höhe deutlich unter dem höchsten Punkt der Panoramastraße liegt. Die
Aussicht von diesem Punkt entschädigt dafür umso mehr und Bewegung schadet ja
bekanntermaßen nicht.
Die nächsten 32 km bis zum Erreichen der westlich des Parks liegenden "Grand Lake Entrance Station" spulten sich relativ zügig ab, da diese Wegstrecke eher im panoramaarmen Gebiet liegt. Dennoch benötigten wir für die zurückgelegte Wegstrecke gut und gerne 3 Stunden.
Nach Verlassen des Parks erreicht man nach wenigen Kilometern den Grand Lake, in
dessen gleichnamigen Ortschaft wir eine Rast einlegten. Der kleine Ort ist einer
Westernstadt nachempfunden und der vor den Holzhütten verlaufende Fußweg besteht
zum größten Teil aus Holzbohlen. Jetzt fehlten nur noch die sporenbesetzten
Cowboystiefel und die Illusion wäre perfekt.
Obwohl Grand Lake in Luftlinie nicht allzu weit von Estes Park entfernt liegt, gibt es keine Querverbindung. Die einzigen Routen zurück nach Estes Park führen entweder zurück über die Trail Ridge Road, oder über einen riesigen Umweg, der bis nahe Denver führt.
Auf unserer Rückfahrt hatten gerade ein Viertel der Trail Ridge Road gen Estes Park bewältigt, als sich die Bergspitzen wieder in dunkle Wolken hüllten und uns die Befürchtung aufkam, die Panoramastraße könnte wieder wetterbedingt gesperrt werden, was für uns nur die Umkehr nach Grand Lake und anschließend den riesigen Umweg bis nahe Denver bedeutet hätte. Unser ungutes Gefühl wurde stärker, als kräftiger Regen einsetzte und unsere schlimmsten Befürchtungen schienen sich zu bewahrheiten, als sich der Regen in Schnee verwandelte. Dennoch ging alles gut und wir erreichten über den rutschigen Pass gegen 16 Uhr Estes Park, wo wir für unsere wohlverdiente Tasse Kaffee in die Lodge fuhren.
Nach einiger Zeit des Relaxens, die wir nebenbei mit dem Schreiben von Ansichtskarten verbrachten, brachen wir gegen 18 Uhr zu einem Bummel durch das Stadtzentrum von Estes Park auf, der aber im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel. Mit Erreichen des Stadtkerns braute sich über unseren Köpfen ein Gewitter zusammen, das mal wieder von heftigen Regenfällen begleitet wurde.
Nun ja, für die Amerikaner ist nun eh beste Abendbrotzeit, weshalb wir unseren Jeep zu einer Gaststätte lenkten, welche uns ebenfalls von unseren Schweizer Gastgebern empfohlen wurde. Diesmal hatten wir mehr Glück bei der Suche und ließen uns in sehr angenehmer Atmosphäre und einer herrlichen Aussicht auf die Rockies Burger, German Potato Salad (wurde warm serviert!) und Kalifornischen Rotwein munden.
Heute gilt es, den längsten Streckenabschnitt unserer Rundreise zu bewältigen. Nachdem alle Sachen verstaut waren und wir uns von dem netten Schweizer Pärchen verabschiedeten, in deren Lodge wir 2 mal nächtigten, verließen wir Estes Park via Interstate 25 nordwärts.
So gesehen war es ein recht ereignisloser Tag. Die endlose karge Landschaft Wyomings, der mitunter meilenweit geradeaus laufende Highway und eine bescheidene Höchstgeschwindigkeit von gerade einmal 75 Meilen pro Stunde (120 km/h) verführen eher zum Einschlafen, als zum genüsslichen Cruisen.
Einzige Abwechslung des Tages war ein Zwischenstopp in Cheyenne, wo der Eisenbahner Mario eine Fotosession von der hiesigen Eisenbahn einlegte und wir in einem Visitor-Center ausgezeichnete Tipps und Kartenmaterial für unseren Aufenthalt in dem dünnbesiedeltsten Bundesstaat der USA erhielten.
Schließlich erreichten wir gegen 20 Uhr die im Norden Wyomings liegende Stadt
Sheridan, wo wir uns nahe der Interstate für 68 $ in einem Super 8 Motel
einmieteten. ![]()
4. Tag
Die hinter uns liegende Nacht hatte es in sich. Da das Motel an einer stark befahrenen Straße lag, haben wir uns vorsorglich ein Zimmer auf der der Straße abgewandten Seite geben lassen. Was wir aber nicht wissen konnten, gleich hinter dem Motel befindet sich ein Bahnübergang. Vermutlich war es den Lokführern vor Passieren des Bahnüberganges vorgegeben, die Pfeifeinrichtung zu betätigen. Und genau das lebten diese so richtig aus, egal welche Zeit die Uhr gerade zeigte.
So schauten wir bald stündlich auf die Uhr, um schließlich gegen 7 Uhr zu kapitulieren und uns dem "Continental Breakfast" zuzuwenden.
Zwischen Sheridan und Cody, dem Ziel des heutigen Tages, trennen uns in erster
Linie der bis zu 4010 m hohe Big Horn Mountain. Wir folgten der quer durch den
Big Horn National Forest führenden Bundesstraße 14 und erreichten am Granite
Pass in 2.753 m Höhe die höchste Stelle dieser Route. Den landschaftlich
schönsten Abschnitt passierten wir zweifelsohne erst hinter dem Granite Pass,
also auf der westlichen Seite des Big Horn. Viele "Scenic Points" laden dazu
ein, Fotos zu schießen.

Helle Freude kam auf, als eine von Cowboys angetriebene Rinderherde unsere Straße kreuzte, von den sich gleich einer mit Bettina ablichten lassen musste, was er allerdings gern tat.
Eine größere Pause legten wir aber erst an der Shell Falls Area ein. Mehrere Aussichtspunkte bieten hier eine hervorragende Aussicht in die Schlucht des Bighorn River, die der Fluss in Millionen von Jahren durch etwa 3 Milliarden Jahre altes Granit gefräst hat und an dessen Wasserfall etwa 13.500 Liter Wasser pro Sekunde in die Schlucht stürzen.
In Greybull erregte ein regionaler Flughafen unsere Aufmerksamkeit, auf dessen Gelände zahlreiche Oldtimer-Flugzeuge abgestellt waren und das sogar ein Flugzeugfriedhof beheimatet. Die älteren Flugzeuge können in Form eines Museumsrundganges besichtigt werden. Leider war das Museum am heutigen Tage geschlossen.
Gegen 15 Uhr erreichten wir die nach dem berühmten Colonel Wiliam F. Cody, besser bekannt als Buffalo Bill, benannte Stadt Cody. Wir fanden sehr schnell ein geräumiges und sauberes Zimmer im Legacy Inn & Suites, für das uns gerade einmal 56 Dollar berechnet wurden.
Seit wir Big Horn hinter uns gelassen haben, war ein stetiges Ansteigen der
Temperaturen auf 35 Grad zu verzeichnen. Hier in Cody erreichte die
Quecksilbersäule immerhin noch 32 Grad. Grund genug, die Badesachen auszupacken
und in den Pool des Hotels zu springen.

Gegen 17 Uhr pilgerten wir zielstrebig zum Hotel Irma, welches Buffalo Bill 1902 für seine Tochter erbauen ließ. Noch heute befindet sich das Hotel in Familienbesitz und wird von der Ur- Ur- Urenkelin Buffalo Bills betrieben. Allabendlich um 18 Uhr finden hier Schauschießereien unter Cowboys statt, die Anziehungspunkt der zahlreichen Touristen sind.
Erstaunlicher Weise wurden wir nach der etwa 30minütigen Vorstellung von anderen Zuschauern mit einem "See you by rodeo" verabschiedet und das, obwohl man sich nicht kennt, vorgestellt wurde oder überhaupt ins Gespräch gekommen ist. Nett diese Amerikaner.
Bei dem Rodeo, von dem hier die Rede ist, handelt es sich um das "Cody Nite
Rodeo", das in den Sommermonaten täglich um 20 Uhr stattfindet. Und in der Tat
sicherten wir uns die 16 Dollar teuren Eintrittskarten für diesen Event bereits
bei unserer Ankunft im Legacy Inn & Suites.

Das Rodeo, das spektakulärer kaum sein konnte und dessen Repertoire von Pferde- und Büffelreiten über Kalbfangen mit dem Lasso bis hin zum Wettreiten auf Zeit reichte, hatte nur einen Wermutstropfen. Und dieser Wermutstropfen landete direkt auf unserem Camcorders, der mit Beginn der Veranstaltung seinen Dienst quittierte. Digital, kaum mehr als zwei Jahre alt, aber doch so, dass die Garantie verfallen ist, einen besseren Zeitpunkt als am Anfang einer aufregenden Urlaubsreise kann sich das Teil einfach nicht aussuchen.
Während der 2½stündigen Vorstellung war ein deutlicher Temperaturabfall zu
verspüren. Böig einsetzender Wind vertrieb die Hitze des Tages und ließ uns
trotz des auf Anraten der Empfangsdame des Legacy Inn mitgeführten Pullovers
frieren. ![]()
5. Tag
Während des Frühstücks, welches wir in der Lobby der Lodge einnahmen, gesellte sich die sehr nette Dame von der Rezeption, welche uns schon Tags zuvor mit reichlich Informationen und Programmtipps für die Gestaltung unseres Aufenthaltes versorgte, zu uns. Da wir uns in der Lodge rundum wohl fühlten und uns zugegebener Maßen die bekanntlich exorbitanten Zimmerpreise rund um Yellowstone N.P. abschrecken, beschäftigten wir uns mit der Frage, ob wir länger in Cody bleiben sollten und unsere Ausflüge in den etwa 80 km entfernten Yellowstone Nationalpark von hier aus starten sollten.
Die nette Dame von der Rezeption ließ keinen Zweifel daran, dass es besser wäre, uns eine Unterkunft in der Nähe des Parks zu suchen. Da der Verkehr auf der von uns favorisierten Verbindung zum Ost-Eingang des Yellowstone N.P. durch Bauarbeiten beeinträchtigt ist, müsse man bis zu 2 Stunden pro Fahrt einplanen.
Vielmehr empfahl sie uns die etwas längere, dafür aber landschaftlich weitaus
schönere Strecke zum Nordost-Eingang des Parks. Für die Übernachtung empfahl sie
uns ein Motel in Cooke City, worauf sie sich in dem Motel nach den aktuellen
Übernachtungspreisen erkundigte und uns mit unserer Zustimmung ein Zimmer für 65
Dollar/Nacht reservierte.

Gegen 11 Uhr verabschiedeten wir uns und besuchten zunächst die Old Town in Cody, die eine Ansammlung historischer Gebäude bereithält, welche einst in West Cody entlang der Yellowstone Landstraße standen und Einblicke in die Geschichte Wyomings geben sollen. Von Cody folgten wir der Bundesstraße 120, die auf den nächsten 65 Kilometer nichts weiter zu bieten hatte als karge Landschaften und die schon erwähnten endlos stur geradeaus laufenden Bundesstraßen.
Ein wenig Abwechslung brachte da der kleine Ort Red Lodge, dessen Hauptstraße mit Fahnen verschiedener Länder -auch der Deutschen- beflaggt und so ein wenig um internationalem Flair bemüht war.
Erst hinter Red Lodge wurde die Landschaft interessanter. Der Weg führte uns
abermals über den Big Horn, wo wir den Rock Creek Pass in 2.800 m passierten. Ab
hier erwartete uns eine Landschaft, die den Umweg von Cody über Red Lodge
allemal rechtfertigt. Die zahlreichen Fotopausen ließen die Zeit, die wir für
die 125 km lange Strecke von Cody nach Cooke City benötigten, auf 4 Stunden
ansteigen. Die Temperaturen lagen mit 3 Grad „nur geringfügig" unter den
Temperaturen des aufgeheizten Cody.
Schließlich war es 17 Uhr, als wir das verschlafen wirkende Nest Cooke City erreichten. Das "Stadtzentrum" beschränkt sich auf die wenige hundert Meter Hauptstraße, die den Ort durchzieht. Ein paar Lodges und ein Super 8-Motel zeugen davon, dass sich der Ort dem Yellowstone-Tourismus verschrieben hat.
Unsere Unterkunft, das Alpine Motel, lag mittig der Hauptstraße, also voll in „Downtown“ Cooke City. Das für uns reservierte Zimmer fiel sehr klein aus, obgleich alles sehr sauber war. Wir erkundigten uns nach einem größeren Zimmer, worauf man uns den Zimmerschlüssel für die Suite gab. Das 95 Dollar teure Appartement war sehr großzügig eingerichtet, verfügte über zwei Schlafzimmer, große Küchenzeile, Herd, Mikrowelle und Kühlschrank. Das Appartement gefiel uns trotz des hohen Preises so gut, dass wir uns hier einquartierten.
Gegen 18:30 Uhr brachen wir zu einer ersten Visite in den Yellowstone Nationalpark, dem meistbesuchten Nationalpark der USA, auf. Gegründet 1872 gilt er auch als ältester Nationalpark. Auf einem Hochplateau erstreckend, liegt er im Durchschnitt 2.000 bis 2.500 m ü.d.M.
Der Park wird durchzogen von der Grand Loop Road, die sich in Form einer 8 auf
einer Länge von 229 km erstreckt. Diese Entfernung lässt zweifellos erkennen,
dass der Park nicht binnen ein oder zweier Tage erkundet werden kann. Wann immer
man ein Highlight des Parks besichtigen möchte, kommt man um eine längere
Autofahrt nicht herum.
Unser erster Ausflug führte uns zu dem von Cooke City etwa 63 km entfernten
Tower Fall. Bereits auf den ersten Kilometern trafen wir auf Herden von Bisons,
die sich erstaunlich nah an den Straßenrand herantrauten und uns einen ersten
Eindruck von den zu erwartenden Begegnungen vermittelten.
Der nördlich des Parks gelegene "Tower Fall" ist einer von mehreren Wasserfällen, die der Yellowstone-River auf seinen Wege zum großen Yellowstone Lake zu passieren hat. Trotz der voranschreitenden Dämmerung, Tribut an die zurückgelegten Kilometer bis Cooke City, entgingen uns nicht die imposanten Ausblicke auf den River, der sich hier anschickt, den Grand Canyon des Yellowstone Nationalparks zu durchqueren.
Als wir die Rückfahrt nach Cooke City antraten, war es längst dunkel. Auf halbem
Wege stießen wir auf eine stehende Autokolonne der Gegenrichtung. Im Licht der
Scheinwerfer sahen wir die Silhouetten rastender Bisons, die es sich auf der
Fahrbahn bequem gemacht haben und sich anscheinend nicht wirklich mit dem
Gedanken auseinandersetzten, den wartenden Fahrzeugen Platz einzuräumen. Der
Vollkaskoversicherung unseres Mietwagens Vertrauen entgegenbringend, jonglierten
wir unser Wägelchen an den knuffigen Tierchen vorbei, was diesen offenbar
missfiel und durch ein deutlich vernehmbares Brummen honorierten.![]()
Da Frühstück in unserem Motel nicht angeboten wird, bedeutete das Selbstversorger-Dasein. Ergo trat Mario gegen 9 Uhr auf die staubige Straße des Village, wo er den auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindlichen General Store ansteuerte und vergeblich nach den Zutaten für ein zünftiges Frühstück Ausschau hielt. In dem Regal, wo er die frischen Brötchen vermutete, lagen lediglich abgepackte HotDog-Brötchen von ihrer weichsten Art. Eier gab es nur in der 12er Packung, aber selbst 6 wären reichlich genug für uns. So blieb es bei 'ner Packung Hotdog-Würstchen für unterwegs, einer Packung Nudeln und Heinz-Ketchup für den Abend.
Das mit den frischen Brötchen war aber nicht hoffnungslos, denn beim Bezahlen wurde Mario an den örtlichen "Bakery" am Ende der Straße (also am Ende des Ortes) verwiesen. Voller appetitlicher Vorfreude betrat Mario wenig später den Bäcker. Das Erste, was beim Betreten des Bäckers ins Auge fällt sind die mit DVD's gefüllten Regale. Soso, der Bäcker verdient sein Geld wohl eher als Videothek, als mit Backwaren.
Vis-a-vis der Regale stand dann eine Vitrine mit allerlei Kuchen. Auf meine Frage nach frischen Brötchen zeigte die Dame auf ihre Muffins, ihre mit Nüssen belegten Donuts und die gefüllten Strudel. Damit war klar, Brötchen sind auch hier Exoten. Somit kaufte ich ein Weißbrot (weich und süß wie alles hier) und frische Hühnereier.
Resümee: Nicht viel gekauft, 10 Dollar gelassen aber das Flair, am Morgen den staubigen Asphalt dieser "Westernmetropole" aufzuwirbeln, sehr genossen.
Nach dem Frühstück ging es ab in den Park, wo wir zielstrebig die 63 km bis zum "Tower Fall", dem Ziel des gestrigen Abends, abspulten.
Heute zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite. Zwar kletterten die
Temperaturen im Laufe des Tages gerade so auf die 16 Grad-Marke, dafür blieb der
Himmel den ganzen Tag wolkenlos, sodass die Sicht am Aussichtsplateau der "Tower
Fall" hinab in den Canyon und den Yellowstone-River noch atemberaubender war,
als am Abend zuvor. Schließlich war es eben diese Aussicht, deretwegen wir
unseren heutigen Trip im Park an dieser Stelle begannen.
Nachdem reichlich Fotos geschossen wurde, hier muss wohl nicht erwähnt werden, dass die bewegten Aufnahmen eines Camcorders mehr Aussagekraft besitzen als ein Foto (Sch. . . Camcorder), fuhren wir über den nördlichen Teil der Grand Loop Road in das etwa 40 km entfernte Mammoth Hot Springs.
Die hier entspringenden, bis zu 74 Grad heißen Quellen der Mammoth Hot Springs
ergießen sich in Sinterbecken, die terrassenförmig angeordnet liegen. Über einen
Plankenpfad kann man Sinterbecken und Terrassen umwandern und so dieses wirklich
sehenswerte Naturschauspiel bestaunen.
Nach gut 3 Stunden des Verweilens, die auch zu der Besichtigung einer kleinen Ausstellung des nahe gelegenen Visitor-Centers genutzt wurden, folgten wir die Grand Loop Road südwärts in das 34 km entfernte Norris Geyser Bassin.
Auf erstem drittel des Weges unterbrachen wir unsere Fahrt für ein Picknick am Sheepeater Cliff, wo wir uns am Gardiner River niederließen und uns unser Lunchpaket genossen, welches wir uns aus dem "hervorragend" süßen Brot des Morgens kreierten. Schließlich war es 16:30 Uhr, als wir das einzige Geysirfeld des nördlichen Loops, also des oberen Kreises der 8, erreichten.
Das Norris Geyser Basin ist eines der heißesten, aber auch dynamischsten
hydrothermalen Areale Yellowstones. Das Gebiet ist übersäht mit aktiven Geysiren
und Fumarolen. Überall brodelt und dampft es. Auf einem 2,4 km langen Rundgang
wird man an den meisten Geysiren vorbeigeführt. Manche Geysire spucken
ununterbrochen heißes Wasser in den Himmel, andere wiederum, wie der Echinus
Geyser, tun dies nur etwa alle Stunde. Der Steamboat Geyser, der größte der Erde
lässt dagegen mitunter Jahre verstreichen, bevor er seine Fontänen bis zu 130 m
in den Himmel bläst.
Das heißeste Geysirenfeld ist das Porcelain Basin, dessen Zugang hinter dem Norris-Museum liegt, welches die Funktionsweise von Geysiren erklärt. Durch sein Farbenspiel von rot und grün besticht hier die Whirligig Geyser, während sich die Constant Geyser Aufmerksamkeit durch stündlich wiederkehrende Fontänen verdient.
Gegen 18:15 Uhr machten wir uns an die Vollendung der Rundfahrt um den nördlichen Loop und damit an die Rückfahrt in das 56 km entfernte Cooke City.
Eine wichtige Regel des Nationalparks besagt, auf der Straße nur in Notfällen anzuhalten und für sonstige Stopps die vorgesehenen Parkbuchten zu nutzen. Ferner ist geboten, in der Nähe von Tieren niemals das Fahrzeug verlassen und sich Tieren zu nähern. Gerade gegenüber Bisons und Bären ist besondere Vorsicht geboten.
Nach etwa 25 km Fahrt, Canyon Village haben wir gerade hinter uns gelassen, staute sich der Verkehr wegen zahlreicher Schaulustiger, die ihr Fahrzeug verlassen haben und mit Fernglas und Kamera auf der Lauer lagen.
Was konnte diese Ansammlung nur bedeuten? Richtig, die Bären sind los. Schnell
stellten wir unser Auto ab und näherten uns vorsichtig den anderen. Unmittelbar
neben der Straße, keine 10 m von uns entfernt graste seelenruhig ein Schwarzbär.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, etwa 50 m einen Hang hinauf, war eine
Schwarzbärin mit 2 Baby-Bären auszumachen. Entsprechend groß war die Aufregung
auf der Straße. Sehr ehrfurchtsvoll, aber gewillt, gute Fotos zu schießen,
folgte die Gruppe jedem Schritt eines der Bären. Auch wir waren von dieser
Begegnung angetan. Bisher hatten wir den leisen Wunsch, mal einen Bären in
freier Wildbahn beobachten zu können. Aber das wir uns unbeschadet einem Bären
auf 10 Meter nähern würden, überstieg unsere Vorstellungskraft. Man stelle sich
mal vor, man
könnte diesen Moment mit einer Videokamera festhalten . . ., aber
das hatten wir ja schon.
Es mag kindisch klingen, aber die Begegnung mit den Bären bereicherte unseren Tag ungemein. Einige Kilometer später, wir befanden uns bereits auf dem Weg von zum Nordost-Eingang, wurden wir erneut zum Werfen des Ankers gezwungen. Diesmal war es wie am Vortag eine Herde Bisons, die die Straße zu überqueren wünschte. Da wir die Pole Position innehatten, blieb während des Wildwechsels genug Zeit, vorsichtig aus dem Autofenster heraus das ein oder andere Foto zu knipsen.
7. Tag
Übernachtungen in und um Yellowstone sind, vor allem in der Saison, alles andere als eine preiswerte Angelegenheit. Die günstigsten Raten, so heißt es, sind in Cooke City zu erzielen. Der Preis dafür sind aber sehr lange Anfahrtswege. Je weiter man sich im Nationalpark bewegen möchte, je mehr Zeit ist für An- und Abfahrt einzuplanen.
Da sich unsere nächsten Ausflugsziele am südlichen Loop, also dem unteren Ring der 8 ansiedeln, sind allein bis zum Erreichen des Loops 84 km pro Richtung zurückzulegen. Der südliche Loop, der zugleich auch der größere von beiden ist, umfasst dann noch einmal 155 km. Die Distanz, die also täglich zurückgelegt werden muss, erscheint uns als zu groß, als das es sich lohnt, länger an Cooke City festzuhalten. Damit war für uns klar, dass umgesiedelt werden muss. Ergo packten wir nach dem Frühstück unsere Sachen und verließen gegen 10 Uhr das Village.
Ein letztes Mal fuhren wir die 63 km von Cooke City über den Northeast Entrance
zum Tower Fall und weiter zum 31 km entfernten Canyon Village, als auf halbem
Wege wieder ein Stau für Aufmerksamkeit sorgte. Sollten wir ein zweites Mal das
Glück haben und auf Bären stoßen?

In der Tat. Am Wegesrand, nur wenige Meter von uns entfernt stromerte eine Bärenmutter mit ihren zwei Jungen durch den Wald. Vermutlich waren es jene Bären, die wir schon tags zuvor beobachten konnten. Der jungen Bärenfamilie kam es in den Sinn, die Straßenseite zu wechseln, worauf das Heer der Schaulustigen eine Schneise bildete, durch die dann die drei Bären stiefelten. Somit sind wir den Bären noch einmal näher gekommen, als wir es am gestrigen Tage wahr haben wollten.
Schließlich erreichten wir Canyon Village, von wo aus wir der Ausschilderung zum "Grand Canyon of Yellowstone N.P." folgten. Bereits vom ersten Aussichtspunkt hat man eine grandiose Aussicht auf den Canyon, an deren Ende man bereits den "Lower Falls", dem größten Wasserfall des Yellowstone River, entdeckt.
Dem Verlauf des Canyons folgend, erreicht man den Aussichtspunkt "Lookout
Point", von dem ein steiler, wenn auch befestigter Trail hinab in den Canyon
führt und die sicht auf den 93 m hohen Wasserfall erheblich verbessert. Vom
später folgenden "Grandview Point" erreicht man eine Aussichtsplattform oberhalb
des Wasserfalls, von der man den Fall des Wassers hinab in die Schlucht hautnah
verfolgen kann.
Zu guter letzt erreicht man einen Aussichtspunkt am höher gelegenen, aber mit 33 Meter Höhe vergleichsweise bescheidenen Wasserfall "Upper Falls".
Nach einem Picknick beendeten wir unsere heutige Tour und fuhren über Canyon Village, Norris und Madison ins etwa 75 km entfernte West Yellowstone, um uns auf Quartiersuche zu begeben. Auf der Fahrt von Norris nach Madison wurden wir abermals von einer Gruppe Schaulustiger aufgehalten. Dieses Mal war es ein Hirsch, der am Wegesrand auf Nahrungssuche war und sich nicht sonderlich von uns stören ließ.
Gegen 16 Uhr erreichten wir das ganz dem Tourismusverkehr des Yellowstone N.P. verschriebene West Yellowstone, wo wir uns einbildeten, schnell ein Zimmer zu finden und uns mit einer duftenden Tasse Kaffee zu verwöhnen. Aber da haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Obwohl West Yellowstone über zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten verfügt, zeigten viele Häuser mit "no vacancy"-Neontafel an, dass sie keine freien Zimmer mehr zur Verfügung haben.
Wir benötigten volle 3 Stunden, um wirklich jedes Hotel oder Motel abzufahren. Auch scheuten wir uns nicht, zu einem etwa 15 km entfernten Super 8-Motel zu fahren, doch auch da Fehlanzeige.
Der nächste Ort liegt von West Yellowstone 63 Meilen, also gute 100 km entfernt und kam als Alternative nicht annähernd in Betracht. Was uns hier auf die Füße fiel war ein für uns bis dato unbekannter Feiertag namens „Labor Day“. Der Labor Day, der Tag der Arbeit, fällt stets auf den ersten Montag im September. Er beschert den Amerikanern nicht nur ein langes Wochenende, sondern läutet auch das Ende der Schulferien und damit das Saisonende ein. Grund genug, dieses lange Wochenende noch einmal zu einem Ausflug zu nutzen. West Yellowstone war komplett ausgebucht.
Die einzig verbleibende Alternative war ein Zimmer in einem Hostel.
Für 23 Dollar pro Person bekamen wir ein schlicht eingerichtetes Dreibettzimmer,
in dem die Betten einzeln und nicht das Zimmer als Ganzes vermietet werden.
Gemeinschaftstoilette und Gemeinschaftsdusche auf dem Gang. Freundlicher Weise
verzichtete man darauf, auch das dritte Bett des Zimmers zu vermieten, sodass
wir wenigstens das Zimmer für uns behielten. Wie viel Glück wir dabei noch
hatten, zeigte das "no" an der "vacancy"-Neontafel, das kurz nach unserer
Ankunft
eingeschaltet wurde.
Das geschichtsträchtige Gebäude des Hostels entstand 1912 und ist das ältestes Haus in West Yellowstone. Gebaut im Blockhaus-Stil, wirkte es ausgesprochen urig. Nach dem Abendessen in einem benachbarten Restaurant ließen wir den Abend auf der mit Ratan-Möbel ausgestatteten Veranda des Hauses ausklingen, bevor wir Ruhe suchten in einem Zimmer, dessen hellhörigen Blockhütten-Wände die in englisch und japanisch geführten Gespräche der Nachbarzimmer ungefiltert durchdringen ließen, während man auf einer Matratze ruht, die die Form einer Hängematte hat.
Aber wie heißt es so schön: Reisen sollte nicht, wer sich nicht überraschen
lassen möchte.![]()
8. Tag
Die Morgenstunden vertrödelnd verließen wir gegen 11 Uhr das Hostel und bildeten uns ein, im nächsten MC Donalds noch Frühstück bestellen zu können. Leider war man hier schon voll auf Burger eingerichtet, sodass wir uns lediglich mit zwei großen Kaffee bewaffneten und uns ins Gedächtnis riefen, dass Cornflakes, Milch und zu Beginn der Reise gekaufte Einwegschüsseln in den Weiten unseres Kofferraumes lagerten.
Somit fuhren wir direkt zum Westeingang des Parks, wo uns in Anbetracht der Vielzahl wartender Fahrzeuge förmlich die Kinnlade entgleiste. Labor Day lässt grüßen. Frei nach dem Motto: „Nur die Harten kommen in den Garten“ reihten wir uns ein in die Reihe derer, die bereits ihren Eintritt entrichtet haben und passierten die Einlasskontrolle Dank Nationalpark-Pass nach einer kurzen Wartezeit von vielleicht 10 Minuten.
Unsere Cornflakes genossen wir während eines 30minütigen Picknicks am ersten Parkplatz des Parks, der idyllisch am Madisson River gelegen ist und von dem auf einem kleinen Steg aufgestellte Parkbänke zum Verweilen auffordern. Nach der Weiterfahrt standen wir keine 5 Minuten später in einem unüberschaubaren Stau. Der Grund für diesen, wie wir im Nachhinein ausgerechnet haben, 4 Kilometer langen Stau waren ein paar Rehe, die im Madisson River ein Bad nahmen und wohl von jedem Amerikaner 73 mal fotografiert werden mussten.
Unsere erste Besichtigungstour des Tages starteten wir am Lower Geyser Basin. Neben einigen sprudelnden Geysiren ist es hier vor allem der Fountain Paint Pot, in dem heißer roter Sand brodelt, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Richtig spektakulär wird es im Upper Geyser Basin, in dessen Areal sich die meisten Geysire des Nationalparks befinden. Besonders hervorzuheben wäre hier der Black Sand Geyser dessen Becken eine unglaubliche Farbenpracht aufzuweisen haben.
Unweit des Old Faithful Visitor Centers befindet sich die gleichnamige Geysire,
die zu den Hauptattraktionen des Yellowstone Nationalparks gezählt wird. Bei
unserer Ankunft auf dem davor liegenden großen Parkplatz bemerkten wir die
zahlreichen Schaulustigen, die sich um Old Faithful versammelten und lagen mit
unserer
Vermutung gold richtig, dass die Geysire kurz davor stand, ihre Fontäne
bis zu 50 Meter emporzuschießen, was sie übrigens im Schnitt alle 80 Minuten
tut.
Auch das Areal rund um Old Faithful wurde mit einem Plankenpfad versehen, auf dem sich zahlreiche Geysire abwandern lassen. Ausgesprochen auffallend waren die vielen „Hobbygeologen“, die unentwegt die Geysiren abliefen und sich mittels WalkieTalkie über neueste Entwicklungen auf den Stand hielten. In Vertrauen auf ihre Sachkenntnis schlossen wir uns einer kleinen Gruppe an und wurden so zur Grand Geyser geführt, deren Ausbruch unmittelbar bevorstand. In unserem Reiseführer steht dazu geschrieben, dass man sich ein wenig Zeit nehmen sollte, wenn der Quelltopf der Grand Geyser randvoll mit Wasser gefüllt ist, da die Fontäne bei dessen Ausbruch bis zu 60 m in die Höhe ragt.
Obwohl das Quellbecken in der Tat randvoll mit Wasser gefüllt war, ließ der Ausbruch der Grand Geyser aber auf sich warten. Stattdessen kam die direkt daneben liegende Turban Geysire zum Ausbruch, deren Fontäne aber nur magere 2-3 Meter in die Höhe schoss. Die Hobby-Geologen, denen wir uns angeschlossen hatten, meinten dazu, dass der Ausbruch der Grand Geyser noch etwa 20 Minuten auf sich warten lasse.
Etwa 10 Minuten später brach die hinter uns liegende Castle Geyser aus, die ihren Namen nachvollziehbar nach dessen Aussehen erhalten hat und spie ihre Fontäne geschätzte 20-30 Meter in den Himmel. Unseren Hobby-Geologen war dieser Umstand aber gar nicht Recht, denn das Ausbrechen der Castle Geyser hatte das Ausbleiben des Ausbruchs der Grand Geyser zur Folge.
Diese Konstellation wiederum konnte aber bedeuten, dass ein Ausbruch der etwa 500 Meter entfernten Giant Geyser bevorstand. Ein Ausbruch der Giant Geyser aber wiederum wäre ein besonderes Erlebnis, berücksichtigt man, dass diese Geysire im Jahr 2005 gerade zehnmal ausbrachen. Die Fontäne der Giant Geyser erreicht zudem eine Höhe von 75 Meter.
Diese Konstellation ließ unsere Hobby-Geologen hochschrecken und hektisch in
ihre WalkieTalkies brüllen, während sie im
Laufschritt zu der 500 Meter
entfernten Giants Geyser wechselten. Gemeinsam mit vielen anderen zwängten sie
sich auf einer davor aufgestellten Plattform und feuerten bei jedem Anzeichen
eines Ausbruchs die Geysire an. Nach etwa 20 Minuten war aus einem der vielen
WalkieTalkies ein „No Giants Geyser today“ zu vernehmen, worauf ein mit einer
beachtlichen Kameraausrüstung bepackter Beobachter mehr zu sich selbst als zu
uns ein „Maybe next time“ sagte.
Damit endete unsere heimliche Expedition mit den Hobby-Geysirenforschern, die uns einen wirklich interessanten Nachmittag erleben ließen. Vorbei an der noch aktiven Castle-Geyser schlenderten wir zurück zum Parkplatz des Old Faithful Visitor Centers, wo wir uns in Anbetracht der noch fehlenden Übernachtungsmöglichkeit im Old Faithful Inn, einem traditionsreichen Gasthaus im rustikalen Baustil aus dem Jahre 1904, nach einem Zimmer erkundigten. Die Erfolgsaussichten dank Labor Day brauchen hier wohl nicht dokumentiert werden.
Gegen 18 Uhr verabschiedeten wir uns vom wunderschönen Yellowstone Nationalpark über den South Entrance und versprachen uns ein Wiedersehen.
Durch den Grand Teton Nationalpark, dem wir auf dieser Reise keine Beachtung
schenkten, fuhren wir in den nächsten 4½ Stunden die Orte Jackson, Alpine und Etna an, bevor unsere Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit gegen 22:30 Uhr
in einer Lodge in dem kleinen Ort Thayne den gewünschten Erfolg brachte.
9. Tag
Amerika feiert heute also seinen Labor-Day, ergo ließen auch wir den Tag eines Feiertag würdig angehen.
Nach einer sehr ruhigen Nacht und einer Schale Cornflakes zum Frühstück unter freiem Himmel verließen wir gegen 11 Uhr wir die Lodge in Richtung Salt Lake City. Wir folgten der Bundesstraße 89, die uns bei Brigham City auf die Interstate 15 leitete. Obwohl gut ausgebaut, war das Vorankommen auf der bergigen Bundesstraße 89 eher mühsam, was auf das teilweise beschränkte Tempolimit von nur 45 Meilen pro Stunde zurückzuführen ist. Erst auf der Interstate, wo die Höchstgeschwindigkeit 75 m.p.h. beträgt, ging es merklich vorwärts. Dafür aber hatte es das Verkehrsaufkommen in sich, was wohl der Rückreisewelle zum Labor Day zuzuschreiben ist.
Bei Ogden, nahe Salt Lake City, stießen wir auf ein Hinweisschild, das unsere Fahrt auf der Interstate abrupt enden ließ. Auf einer braunen Tafel war ein Air Force-Museum ausgeschildert, dessen Einladung wir nur allzu gern annahmen.
Das Museum brilliert mit ausrangierten Jets der US-Air Force, die ihre beste
Zeit hinter sich und hier ihre letzte Ruhe gefunden haben. Leider ist keines der
Exemplare von innen zu besichtigen, daher ist es auch kein wirklicher Trost,
dass der Eintritt frei war. Wäre doch außerordentlich interessant, z.B. das
Cockpit einer B-52 zu erkunden.
Gegen 17 Uhr erreichten wir das Stadtzentrum von Salt Lake City, dass zu dieser Zeit eher ausgestorben wirkte, was wir wieder dem Labor-Day zuschrieben. Zielstrebig steuerten wir das Visitor-Center an, dass an Feiertagen aber schlag 17 Uhr schließt. Wir kamen 7 Minuten zu spät.
Die Zimmersuche gestaltete sich nicht erfreulicher. Drei vier Anfragen zeigten, dass die Preise sich nicht unseren Vorstellungen anpassten. So beschlossen wir, zum nur 6 Meilen entfernten Flughafen zu fahren, wo erfahrungsgemäß die Preise niedriger sind.
Fündig wurden wir dann sehr schnell im Ramada Airport, dass uns ein gemütliches
Doppelzimmer mit Kühlschrank für 56 Dollar plus Tax überlassen wollte. Dank
unserer "Show Your Card And Save"-Card reduzierte sich der Preis auf 52,25
Dollar plus Tax, also auf insgesamt 57 Dollar.
Der Abend wurde zum Waschtag deklariert. Die Touren vergangener Tage ließen
unseren Vorrat an sauberer Kleidung bedrohlich schrumpfen, sodass wir der
Waschmaschine und dem Wäschetrockner des Hauses einige Arbeit bescherten. Wir
indes überbrückten die Zeit am Pool, wo wir uns von den inzwischen auf 32 Grad
angestiegenen Temperaturen abkühlten. ![]()
Diesen Tag widmeten wir ganz der Stadtbesichtigung von Salt Lake City, die wir am Visitor-Center begannen, deren Drehtür uns diesmal gewähren ließ.
Mit dem neu erworbenen Stadtplan parkten wir unser Auto auf einem großen
Parkplatz nahe der Union Pacific Railroad Station, einem alten restaurierten
Bahnhofsgebäude, dessen zweckbezogene Nutzung schon einige Zeit zurückliegt und
über dessen zukünftige Verwendung noch nicht entschieden ist.
Gleich hinter dem alten Bahnhofsgebäude befindet sich der Olympic Lagacy Plaza,
der in Form einer Schneeflocke angelegt wurde und an die Olympischen
Winterspiele 2002 erinnert. In der Mitte des Platzes dominieren Wasserspiele,
die zu jeder vollen Stunde im Takt der Musik (u.a. die Eröffnungsmelodie der
Winterspiele) tanzen und bei Temperaturen von 35 Grad eine willkommene
Erfrischung bieten.
Das Stadtzentrum Salt Lake Citys ist geprägt vom Temple Square, dem „heiligen Platz“ der Mormonen. Wer kennt nicht den Ausruf des Mormonenführers Brigham Young, der am 24. Juli 1847 nach eineinhalbjähriger Suche nach geeignetem Land seinen Gefolgsleuten zurief: „This is the place!“. Hier gründeten die Mormonen einen nach ihren religiösen Vorstellungen geeigneten Staat und machten Salt Lake City zu ihrer Hauptstadt. Auf 4 ha vereint der Temple Square Gebäude und Denkmäler des Mormonentums, die über das Leben, die Lehre und Geschichte der Mormonen aufklären.
Am Eingang zum Temple Square wird man von freundlichen Hostessen empfangen, die
auf Wunsch eine kostenlose Führung in der eigenen Landessprache organisieren.
Leider war die deutschsprachige Führerin gerade nicht erreichbar, sodass wir das
Areal auf eigene Faust erkundeten.
Sehenswert ist der an ein Märchenschloss erinnernde Mormonentempel, der 1893 nach 40jähriger Bauzeit fertig gestellt wurde. Im Tempel werden durch heilige Handlungen Familien miteinander vereint und ist nur für Mormonen zugänglich ist.
Recht monumental mutet dagegen das wirklich prunkvoll eingerichtete und 1911 im
Stil der italienischen Renaissance errichtete Joseph Smith Memorial Building an,
dass einstmals das Hotel Utah beherbergte. Heute ist das Haus nach Joseph Smith,
dem ersten Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage,
benannt und wird für öffentliche und kirchliche Veranstaltungen genutzt.
Auf dem Gebiet des Temple Square befindet sich auch das mit 128 m höchste Gebäude der Stadt. Das LDS Church Office Building beherbergt die Verwaltung der Mormonenkirche und bietet in der 26. Etage eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform, von der man eine hervorragende Aussicht über den nordwestlich und nordöstlich gelegenen Teil der Stadt genießt. Der Besuch der Plattform ist kostenlos und man bekommt einen mehrsprachigen Bildband gereicht, der über Sehenswürdigkeiten der Umgebung aufklärt. Wermutstropfen sind die vielen übertrieben freundlichen Damen, die einem innerhalb des Gebäudes keinen Meter von der Seite weichen und sich fortwährend nach unserem Wohlbefinden erkundigt haben.
Nachdem wir uns dem Bann des Temple Square entzogen haben, legten wir eine späte Mittagspause in der Food-Meile der ZCMI-Center Mall ein, wo verschiedenste Gerichte für jede Geschmacksrichtung angeboten werden.
Gestärkt ging es weiter zum Memorial Grove Park, der in Gedenken an die
gefallenen amerikanischen Soldaten sowohl im Korea-Krieg, als auch im
Vietnam-Krieg und Zweiten Weltkrieg angelegt wurde. Der Park dient gleichzeitig
als Botanischer Garten, der ein reichhaltiges Pflanzenrepertoire bereithält.
Vom Park führen eine Treppe und ein sich anschließender kleiner Pfad zum State
Capitol. Zu unserem Bedauern war das ganze Areal um das State Capitol durch
einen Zaun abgeriegelt, das Capitol selbst war wegen Umbauarbeiten vollständig
eingerüstet, sodass hier nicht sonderlich viel Zeit für eine Besichtigung
aufgebracht werden musste.
Auf dem Weg zurück in die City erlaubten wir uns einen kleinen Abstecher in die
1st Avenue 140 East. Eingebettet in eine Wohnhaussiedlung findet sich unter
dieser Adresse ein kleiner Park, in dem der Mormonenführer Brigham Young neben
anderen Familienmitgliedern seine Letzte Ruhe fand.
Vorbei am 1990 fertig gestellten und 20.400 Zuschauern Platz bietenden
Delta-Center, dem Heimatstadion der zur NBA gehörenden Basketball-Mannschaft
Utah Jazz erreichten wir gegen 20 Uhr den nahe der Union Pacific Railroad
Station gelegenen Parkplatz, wo wir in unser Auto sprangen und auf der Suche
nach ein paar guten Nachtmotiven für die Kamera ein letztes Mal die City
durchkreuzten.
Mit seinen Ausmaßen von derzeit 113 km Länge und 48 km Breite gilt der Great Salt Lake als einer der größten Binnengewässer der USA. Sein Salzgehalt beträgt bis zu 27 Prozent, was dem des Toten Meeres entspricht. Die mit 24 km Länge und 7,2 km Breite größte Insel des Salzsees ist Antelope Island, wobei die Namen gebende Tierart der Jägerei zum Opfer fiel und Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet wurde.
Über Syracuse erreichten wir die Einfahrt zum State Park, wo wir 9 Dollar für
den Eintritt entrichteten. Antelope Island ist an seinem nördlichen Ende über
einen aufgeschütteten Deich mit dem Festland verbunden, sodass sich die
„Überfahrt“ als ausgesprochen problemlos erwies.
Zunächst steuerten wir das Visitor Center an, wo wir uns nach einer mit Duschen ausgerüsteten Badestelle und nach der Möglichkeit einer Bootsausleihe erkundigten. Den letzteren der beiden Wünsche konnte man uns nicht erfüllen, aber als Badestelle empfahl man uns den voll ausgerüsteten Badestrand der Day Area Use, den wir sogleich ansteuerten.
Das Besucheraufkommen im Park hielt sich stark in Grenzen. Der Parkplatz der Day Area Use war gerade einmal von 5 Fahrzeugen belegt. Am weiten Strand waren nur 4 Passanten auszumachen, gerade eine einzige Person wagte sich in den Salt Lake hinein.
Nachdem wir die Duschen auf ihre Funktion checkten, wateten wir den schier
endlos erscheinender Weg durch das vertrocknete Salzufer bis zum Rand des
Wassers, wo uns Tiraden kleiner Fliegen empfingen. Diese Biester ließen uns zwar
weitestgehend in Ruhe, vermittelten aber dennoch ein unangenehmes Gefühl, weil
sich bei jedem Schritt der Boden von aufgescheuchten Fliegen verdunkelte. Noch
einmal so viele Fliegen schwammen tot an der Wasseroberfläche und bildetet
teilweise einen regelrechten Teppich, dem sich aber ausweichen ließ. Aber all
das konnte uns nicht davon abbringen, im Salt Lake baden zu gehen. Im Wasser
mussten wir feststellen, dass der Uferbereich sehr sehr flach ist und man schon
'ne Weile gehen muss, um wenigstens knietief ins Wasser zu gelangen. Dagegen
kommt einem der Strand vom Balaton wie eine Steilküste vor. Irgendwann reichte
die Tiefe dann doch für ein paar Schwimmbewegungen. Diese allerdings waren
gänzlich überflüssig, denn aufgrund des hohen Salzgehaltes wurde man vom Wasser
förmlich getragen. Man schwebte sozusagen ohne Zutun an der Wasseroberfläche,
ein faszinierendes Erlebnis.
Irgendwann genug geschwebt, trabten wir den endlos erscheinenden Sandstrand zurück bis zur Dusche. Das auf der Haut getrocknete Wasser hinterließ eine weiße Salzschicht, was ein gründliches Duschen erforderlich machte.
Nachdem auch ein Paar Pigmente erhascht wurden, fuhren wir den nördlichen Teil der Insel ab und ließen uns an dem in 1.458 m ü.d.M. gelegenen Rastplatz Buffalo Point zum Picknick nieder. Der Besucherandrang hielt sich auch hier in Grenzen oder anders formuliert befanden sich außer uns exakt null Gäste an diesem Platz. Nachdem der Labor Day das Saisonende eingeläutet hat, war es nicht wirklich überraschend, dass alle auf dieser Insel gelegenen Restaurants geschlossen waren.
Von der Terrasse des Aussichtspunkts genießt man eine hervorragende Aussicht. Als wir unser Lunchpaket öffneten, war es bereits 18 Uhr die ersten Bisons tauchten aus ihrer Versenke auf.
Im Laufe unserer Rast sollten wir aber nicht die einzigen Gäste bleiben. Uns gesellte sich eine Urlauberin aus San Francisco hinzu, mit der wir ins Gespräch kamen. Bei der Lady handelt es sich übrigens um den einzigen Badegast im Salt Lake bei unserer eingangs erwähnten Ankunft auf der Insel.
Als bekennende Salt Lake City-Kennerin empfahl sie uns eine Reihe der wohl besten Restaurants der Stadt. Darunter waren Mexikaner, Brasilianer und sogar die deutsche Küche. Wir aber wollten mal urig amerikanisch essen gehen und folgten der Empfehlung in ein BBQ-Restaurant im Stadtzentrum.
Zurück in Salt Lake City betraten wir gegen 20:15 Uhr das ziemlich leergefegte
Restaurant an der 2.100 South Ecke Temple Street und bestellten ein Variation
des Hauses mit Schweinefleisch, Truthahn, Gemüse und gebackene Kartoffeln. Dazu
wählten wir eines von diesem Amerikanischen Bier, das nach wie vor wie Wasser
schmeckt. Erstaunt, dass das Essen binnen kürzester Zeit auf dem Tisch stand,
folgte wieder die Erkenntnis, dass die Amerikaner einfach keine Essenstradition
haben, denn unser Gericht schien kalt auf einer Platte angerichtet worden zu
sein, um dann in der Mikrowelle aufgewärmt und schließlich lauwarm serviert zu
werden. Schade.![]()
12. Tag
Den heutigen Tag reservierten wir für die Fahrt von Salt Lake City nach Moab. Bei einer geschätzten Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 m.p.h. sollte die 380 km lange Strecke in 6, höchstens 7 Stunden der Vergangenheit angehören.
Pünktlich 11 Uhr verabschiedeten wir uns von Salt Lake City südwärts und legten
kaum 60 km weiter in einer Shopping Mall eine ungewollt mehr als 3stündige
Fahrtunterbrechung ein. So war es bereits 15:30 Uhr, als wir uns an die
Bewältigung der "restlichen" Strecke machten.
Bei Spanish Fork, wo wir von der Interstate 15 auf die Bundesstraße 6 wechselten, erwartete uns ein Sturm, der die Temperatur von 27 auf 11 Grad abstürzen ließ, in der Stadt für einige Unordnung sorgte und für eine Sperrung der Bundesstraße 6 sorgte. Einzig sich bietende Umfahrungsmöglichkeit war die Bundesstraße 89, die uns über Salina zur Interstate 70 lotste. Der daraus resultierende Umweg betrug heftige 150 km.
Kurz hinter Salina führt die Interstate 70 durch den Fishlake National Forest, dem sich der Eagle Canyon und Sindbad Valley anschließen. Die zahlreich auf der Landkarte eingezeichneten Aussichtspunkte ließen erahnen, dass die Interstate durch sehenswertes Gebiet führt. Tatsächlich fährt man auf der Interstate durch Canyonland, das nicht nur Lust auf mehr macht, sondern auch das Lenken des Fahrzeuges erschwert, da man immer wieder von gewaltiger Natur abgelenkt wird. Insofern hat sich der Umweg über Salina dann doch gerechnet. Schade nur, dass sich der Himmel wieder stark verdunkelt hat und uns der Regen die Sicht auf mehr nahm.
Gegen 20:15 Uhr erreichten wir das etwa 85 km vor Moab gelegene Green River, wo unser Tagesbedarf am Autofahren nach 444 zurückgelegten Kilometern gedeckt war und wir uns für 35 Dollar ein Zimmer im einfachen, aber dafür familiär geführten und sehr sauberen Robbers Roost-Motel nahmen.
13. Tag
Da unsere Herberge weder Frühstück noch Kaffee anbot, das Zimmer auch nicht über Wasserkocher oder Kaffeemaschine verfügte, besorgten wir uns in einem nahe gelegenen Coffee-Shop frischen Kaffee und tranken ihn zu Cornflakes auf unserem Zimmer. Gegen 10:30 Uhr verließen wir Green River und erreichten keine Stunde später den Ortseingang von Moab, wo wir uns auf die Suche eines passablen Zimmers machten.
Cleverer Weise verlegten wir unseren Ortswechsel wieder einmal auf einen Freitag, wo viele Amerikaner ihr bevorstehendes Wochenende in die Nationalparks des Landes verlegen, was wiederum zur Folge hat, dass sich die Zimmerpreise in den nationalparknahen Orten deutlich verteuern.
Viele Hotels konnten uns zu dieser frühen Mittagsstunde noch keine gereinigten Zimmer anbieten, sodass wir auf ein Zimmer im Super 8-Motel zurückgriffen, dass man uns mit 80 Dollar die Nacht in Rechnung stellte, was aber im Vergleich mit anderen Motels in Moab vergleichsweise preiswert war. Während wir den Inhalt unserer Koffer auf die Schränke verteilten, setzte heftiger Regen ein, der unseren Enthusiasmus auf baldige Touren merklich bremste.
Erst gegen 16 Uhr, als sich der Himmel wieder von seiner azurblauen Seite zeigte, starteten wir zu einem ersten Trip in den nur 5 km entfernten Arches Nationalpark. Auf dem Weg dorthin stoppten wir noch an einem Drive In, wo wir uns Burger für ein baldiges Picknick organisierten.
Trotz des verregneten Nachmittags war der Park sehr gut besucht. An den
View-Points herrschte reichlich Andrang, was unsere Hoffnung auf ein ruhiges
Picknick schmälerte. Am Aussichtspunkt "Balanced Rock" entdeckten wir eine vom
Scenic-Drive abzweigende unbefestigte Straße, deren Befahrung ausschließlich
Fahrzeugen mit Allrad-Antrieb empfohlen wird. Na bitte, wir haben Allrad und die
4,2 l-Maschine sollte auch genug Power für Unternehmungen dieser Art liefern.
Also ab ins Gelände.
Sehr schnell erkannten wir, dass dieser holprige Pfad, anders kann man ihn nicht nennen, wirklich nur geländegängigen Fahrzeugen vorbehalten sein sollte, da Felsvorsprünge tiefer liegenden Fahrzeugen mächtig zusetzen würden. Wir fanden ein sehr ruhiges, weil menschenleeres Plätzchen, wo wir ungestört unser Picknick in beeindruckender Landschaft einlegten.
Die Fahrt auf dem Trail, der in das 17,2 km entfernte Klondike Bluffs-Areal
führt, machte einen heiden Spaß. Bald schon kamen wir zu der Erkenntnis, dass
sich dieser Trail hervorragend als Testparkour für Geländewagen eignen würde und
wir genossen das "Marlboro-Adventure"-Feeling. Allerdings erforderte die Strecke
unsere volle Aufmerksamkeit, sodass schon bald vom "Marlboro-Adventure" das
Feeling verflog.
Wir hatten noch nicht einmal ein Viertel der Wegstrecke hinter uns, als Bettina anfing, den Augenblick zu verfluchen, an dem sie der Fahrt auf diesem Trail zustimmte. Irgendwann verloren wir die Orientierung und folgten nur noch den wenigen Reifenspuren im Sand, ohne zu wissen, ob dieser Weg der richtige ist. An Richtungsschildern hat man hier reichlich gespart.
Auf dem gesamten langen Abschnitt kamen uns gerade zwei Fahrzeuge entgegen und
beide Begegnungen lagen bereits hinter uns.
Weder vor noch hinter uns war ein
Fahrzeug auszumachen. Immer wieder kam es vor, dass die wenigen Spuren im Sand
an einem ansteigenden Fels endeten. Was blieb uns anderes übrig, als an diesen
Stellen auszusteigen, um den Fels hinauf zu klettern und Ausschau zu halten, ob
der Trail dahinter weiterführt. Erst mit diesem Wissen zwangen wir den Buick den
Fels hinauf, dessen Reifenprofil reichlich schwarzen Abrieb auf den Steinen
hinterließ, fast so als makaberes "Wir-waren-auch-hier"-Zeichen. An solchen
stellen blieb Bettina nichts anderes übrig, als neben dem Fahrzeug herzulaufen,
um sicher zu stellen, dass nicht eines der Räder in eine Senke verschwindet und
das Fahrzeug erbarmungslos aufsetzten lässt oder um den Weg zu markieren, den
wir zuvor abgelaufen, besichtigt und abgesprochen haben, da die Sicht nach vorn
wegen der hohen Motorhaube mehr als dürftig war.
Langsam setzte die Angst ein. Sowohl um uns, als auch um das Auto. Um uns, weil sich der kleine Uhrzeiger der sieben näherte und sich die Dämmerung ankündigte und die Strecke wohl eher nicht dafür prädestiniert sein dürfte, dass Abends mal eben der Ranger vorbeischaut. Auch führten wir kein Handy mit uns (warum auch, unsere Dualband-Handys funktionieren hier eh nicht). Und wir sorgten uns um das Auto, weil uns der Mietvertrag ausdrücklich das Befahren unbefestigter Straßen untersagte und uns im Schadensfall der Versicherungsschutz baden geht.
Nach etwas über zwei Stunden erreichten wir eine ausgeschilderte Weggabelung, die uns die Entfernung zur nächsten halbwegs befestigten Straße mit 2,7 km angab. Erleichtert atmeten wir auf. Erleichtert darüber, auf dem richtigen Weg zu sein und erleichtert darüber, diese für uns mittlerweile zum Albtraum gewordene Strecke bald hinter uns zu haben, ohne zu ahnen, dass die folgenden 2,7 km die längsten 2,7 km unseres bisherigen Lebens werden würden und der hinter uns liegende Abschnitt Peanuts gegen das war, was nun noch vor uns lag.
Der folgende Streckenabschnitt wurde von Meter zu Meter zerklüfteter.
Felsvorsprünge waren zu überwinden, die das Auto an seine Leistungsgrenze trieb.
Der vom Regen aufgeweichte Boden zeigte dem Allrad allerorts seine Grenzen, bis
zu dem Punkt, wo wir an einem treppenähnlichen Felsvorsprung festsaßen. Der
viele Schlamm verhinderte, dass auch nur einer der Reifen halbwegs Grip am Fels
bekam.
Den vor uns liegenden Anstieg zu überwinden erinnerte mehr an Bergsteigen, als ans Autofahren und wir konnten uns beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir den Buick dort hinauf kriegen sollen.
Schon häufiger kamen Gedanken des Umkehrens auf, aber die Aussicht, nach vielleicht 2,5 km am Ziel zu sein, überwog. Zudem legten wir keinen Wert darauf, das hinter uns liegende noch einmal zu durchfahren.
Während wir in der näheren Umgebung nach großen Steinen als Unterlage für die Reifen zum Anfahren suchten, tauchte am Horizont das Licht eines Fahrzeuges auf, das nur unserem Trail folgen konnte und uns neuen Mut einhauchte. Allerdings verflog dieser Mut genauso schnell, wie er gekommen war, als wir sahen, dass sich das Fahrzeug an den markanten Stellen mit genau den gleichen Problemen herumplagte. Es konnte sich eben nur um Touristen handeln.
Mit reichlich heran geschleppten Steinen gelang uns dann schließlich doch das Vorankommen . . .,
bis zum nächsten Absatz, wo wir erneut festsaßen. Man muss sich das Gelände wie eine riesige Treppe vorstellen, auf der wir uns von Stufe zu Stufe hangeln. Und immer wieder das Mark erschütternde Geräusch, wenn sich der Schweller des Fahrzeuges den Fels entlang schabt und die scharfkantige Felsen nur darauf zu warten scheinen, dir den Reifen aufschlitzen zu können.
Da das nach uns folgende Fahrzeug im Gegensatz zu uns vorankam, hatte es uns bald ein. Besetzt war es mit zwei jungen Amerikanern, die auch nur einen Mietwagen fuhren und noch erstaunlich gut drauf waren. Für uns waren sie insofern hilfreich, dass sie Handys bei sich führten und wir somit nicht ganz von der Außenwelt abgeschnitten waren.
Mit zumindest optisch intaktem Fahrzeug (den Unterboden schauen wir uns lieber
nicht an) und durchschwitztem Shirt erreichten wir nach über 3stündiger Fahrt
eine teilweise befestigte, holprig aber flache Straße, die uns endgültig
aufatmen ließ und uns auf den nächsten 12,4 km durch das Salt Valley-Tal führte,
wo wir auf den hervorragend ausgebauten Scenic-Drive zurückkehrten und plötzlich
wieder ein Auge für die Schönheit des Sonnenunterganges hatten. ![]()
Dem Wochenendrummel im Arches Nationalpark aus dem Wege gehend, fuhren wir gegen 10 Uhr in den von Moab etwa 50 Kilometer entfernten Canyonlands Nationalpark.
Der Scenic-Drive dieses Nationalparks ist mit seinen 28 km Länge vergleichsweise kurz. Unseren ersten Stopp legten wir am Shafer Canyon Overlook Point ein, wo man zu einem nur wenige Meter entfernten Felsplateau gehen kann, von dem man eine hervorragende Aussicht in den White Rim Canyon genießen kann.
Hier beginnt auch ein Trail, der wieder nur für Allrad-Fahrzeuge empfohlen ist
und den Canyon hinab zum Gooseneck Overlook am Colorado River führt. Der Trail,
auf weite Strecken einsehbar, schien bei weitem nicht die Hürden aufzuweisen,
die uns der Trail im Arches N.P. tags zuvor stellte, sodass es Mario schon
wieder reizte, auf
Abwegen zu gehen, was aber Bettina kategorisch ablehnte.
So blieben wir auf den befestigten Wegen und erreichten einige Kilometer später den in 1.902 m Höhe gelegenen Buck Canyon Overlook Aussichtspunkt, von dem sich ein imposanter Ausblick in den Gooseberry Canyon bietet.
Den wohl grandiosesten aller Ausblicke genießt man vom südlich gelegenen Grand
View Point Overlook, wo man von einer 1.853 m ü.d.M. gelegenen Hochfläche in den
370 m tiefer gelegenen White Rim hinunterschaut, in dem sich der Colorado und
der Green River noch einmal rund 300 m tief eingefräst haben.
Nordwärts endet die Panoramastraße am Kraterrand des 1.756 m hohen Upheavel
Dome. Wenige hundert
Meter vor dem Upheavel Dome macht ein kleine Bergkette auf
sich aufmerksam, die die Form eines Wales hat und dessen View Point zu Recht den
Namen Whale Rock trägt. Zur besten Picknick-Zeit, es war bereits 15 Uhr,
stoppten wir an dem mit nur einem Fahrzeug besetzten Parkplatz, packten unseren
Rucksack und begannen eine Wanderung, die uns den Felsen hinauf führte. Hier
fanden wir ein ruhiges Plätzchen für unser Picknick mit einer beeindruckenden
Aussicht über den Upheavel Dome hinaus.
Zurück am Parkplatz steuerten wir unseren Buick dem Parkausgang entgegen und traten die Rückfahrt Richtung Moab an. Auf halbem Wege zwischen den Canyonlands N.P. und Moab gabelt sich die Straße und führte uns zum Eingang des Dead Horse Point State Park, wo wir für den Eintritt 7 Dollar zu entrichten hatten.
So traurig die Namen gebende Vergangenheit, so grandios war die Aussicht, die
uns erwartete. Seinen Name "Zum toten Pferd" hat der 1959 gegründete State Park
durch frei lebende Mustangherden erhalten, die um 1900 wild in der
Tafellandschaft umherliefen und von Cowboys in eine 27 m breite und durch einen
Zaun begrenzte Felsschlucht getrieben wurden. Dort wurden die besten Pferde mit
dem Lasso eingefangen, gezähmt und für den Eigenbedarf behalten bzw. auf Märkten
im Osten der USA verkauft. Die ungeeigneten Mustangs wurden zurückgelassen, um
selbst ihren Weg aus der Felsschlucht zu finden. Der Überlieferung nach wurde
das Tor der Umzäunung offen gelassen, sodass die wilden Pferde auf die offene
Weide zurückkehren konnten. Aus unbekanntem Grund blieben die Mustangs jedoch in
der Felsschlucht zurück, wo sie elendig verdursteten, obwohl sie sich in
Sichtweite des Colorado-River befanden.
Seine grandiose Aussicht begründet sich in seiner tiefen Felsschlucht und in
eine vom Colorado River geschaffene Canyonlandschaft. Vom 1.830 m ü.d.M.
gelegenen Dead Horse Point Overlook fällt der Blick an einer Felsabrisskante bis
zu 610 m tief in den Canyon hinein, was einfach atemberaubend ist.
Unser Abendessen verlegte Bettina in das sehr gut besuchte, an Moab´s
Hauptstraße gelegene Restaurant "ZAX", an dessen Eingang wir in eine Warteliste
aufgenommen wurden. Die Zeit bis zum Freiwerden eines Tisches überbrückten wir
mit Billard, dessen Tisch in einem separaten Raum der hauseigenen Bar
aufgestellt war.

Um uns jedoch in der Bar aufhalten zu dürfen, also einfach um Billard spielen zu können, war es erforderlich, für 4 Dollar Gebühr eine Mitgliedschaft in der Bar erwerben, die uns freien Zutritt bis Jahresende garantierte.
Das Essen war ausgesprochen lecker. Bettina bediente sich reichlich an der
Salat- und Suppenbar, während Mario einen frisch zubereiteten Burger mit Speck
und gebratenen Zwiebeln sowie beigelegten gebackenen Kartoffeln wählte. Dazu gab
es 'ne große Karaffe Bier. Und für alles zahlten wir 26 Dollar, wobei uns die 4
Dollar für die Mitgliedschaft verrechnet wurden.![]()
15. Tag
Pünktlich um 10 Uhr passierten wir die Einfahrt zum Arches Nationalpark, der zu dieser Zeit erstaunlich, ja fast fürchterlich gut besucht war. Kein Wunder, zählt doch der Nationalpark zu den Top-Sehenswürdigkeiten im Südwesten.
Unseren ersten Stopp versuchten wir an der vom Parkeingang rund 19 km entfernten Windows Section, wo sich die von vielen Bildern bekannten North und South Windows befinden. Dessen Parkplatz war gefüllt wie ein Park and Ride in Bahnhofsnähe in der Rush Hour. Null Chance, auch nur einen einzigen Stellplatz zu ergattern. Nach zwei sinnlosen Runden räumten wir den Platz kampflos und fuhren weiter zum Aussichtspunkt "Wolfe Ranch", wo wir erstaunlich schnell einen Stellplatz fanden, was aber wohl der erforderlichen Wanderung zur nächsten Sehenswürdigkeit geschuldet sein dürfte. Vermutlich sind die Klima-verwöhnten Amerikaner nicht sonderlich begierig darauf, den mit einer Länge von 4,8 km längsten Wanderweg des Arches Nationalpark abzuwandern. Dabei führt gerade dieser Weg zum Delicate Arch, dem wohl berühmtesten Naturbogen des Parks und eines der Wahrzeichen des amerikanischen Südwestens.
Schon nach wenigen Metern erreicht man eine verwilderte Holzhütte, in der sich
Ende des 19. Jahrhundert der kriegsbehinderte Bürgerkriegsveteran John Wesley
Wolfe mit seinem Sohn niederließ und dort mehr als 20 Jahre lebten. Auf dem dann
folgenden Abschnitt legt man einen Höhenunterschied von 146 m zurück. Der Weg
führt durch baumarme Vegetation, sodass quasi kein Schatten zu finden ist. Das
Wetter meinte es heute gut mit uns. Bei leichter Bewölkung stieg die Temperatur
zur Mittagsstunde auf 22 Grad. Trotz der recht milden Temperatur brannte die
Sonne mit enormer Kraft, sodass sich die 22 Grad bedeutend heißer anfühlten. Im
Hochsommer, wo die Temperaturen im Park leicht auf 43 Grad klettern können, muss
diese Wanderung die Hölle sein. Nicht umsonst warnt der Park-Guide vor der
Hitzewirkung und empfiehlt 4 Liter Wasser pro Person und Tag mitzuführen.
Wir kamen mit weniger aus und erreichten den absolut beeindruckenden Delicate
Arch nach einer 45minütigen Wanderung. Genauso beeindruckend ist der gleich
hinter dem Bogen beginnende Steilhang, der Unvorsichtige leicht einige hundert
Meter nach unten befördert. Entsprechend vorsichtig näherte man sich dem Bogen,
unter dem man gern für ein Foto posierte.
Unser Aufenthalt am Delicate Arche dauerte satte 2 Stunden, was weniger den Aussichten zuzuschreiben ist, sondern viel mehr den Smalltalk, den wir hier führten. So trafen wir z.B. die zwei jungen Amerikaner wieder, die uns zwei Tage zuvor auf unserem Allrad-Trip durch den Arches N.P. mit ihrem Mietwagen folgten und mit uns die Widrigkeiten der Route meisterten. Wir erzählten ihnen, dass wir sehr erleichtert waren, nun jemanden bei uns zu wissen, der im Notfall Gebrauch von seinem Handy machen konnte. Die Boys lachten nur und meinten, dass in dieser Region mangels Empfang gar keine Handys funktionieren. Gut, das wäre dann auch geklärt.
Die meiste Zeit aber unterhielten wir uns mit einem Pärchen aus Bremen, die gemeinsam mit ihrem gerade zweijährigen Sohn im Zelt auf Campingtour waren. Sie erfreuten sich über einen der wenigen und heiß begehrten Stellplätze im Arches Nationalpark, bedauerten aber zugleich, für diese grandiose Aussicht auf jeglichen Komfort wie fließend Wasser oder Dusche verzichten zu müssen. Da unsere Unterhaltung kein Ende zu nehmen schien, traten wir schließlich gemeinsam den Rückweg zum Parkplatz an, wo wir uns zu einem gemeinsamen Bummel in der Windows-Section verabredeten.
In der noch immer gut besuchten Windows-Section dominieren North Window und South Window, zwei riesige, durch Wind und Wetter geformte Sandsteinfenster, deren gewaltige Ausmaße erst richtig zur Geltung kommen, wenn man das Fenster betritt und den Bogen auf sich wirken lässt.
Gegen 16 Uhr verabschiedeten wir uns von den Bremern, nicht jedoch ohne ihnen zuvor die Waschmaschinen unseres Motels und die Duschen unseres Zimmers anzubieten, wobei gerade die Badewanne den 2jährigen Tom in helles Entzücken versetzte.
Den Abend verbrachten wir gemeinsam im Restaurant „ZAX“ bei Pizza und
Burger. An dieser Stelle viele Grüße nach Bremen. ![]()
16. Tag
Obwohl Körper und Geist gern noch im Bett geblieben wären, rissen wir uns 8:30 Uhr aus den Träumen, um kurz vor Küchenschluss am Frühstückstisch zu sitzen. Gegen 11 Uhr nahmen die Koffer ihren gewohnten Platz im Kofferraum ein, worauf wir unseren Wagen auf der 191 südwärts steuerten.
Etwa 26 km hinter Moab schrieen uns förmlich riesige Letter "Hole in the Rock"
von einem Fels entgegen, die uns sofort in die Nähe einer Grotte oder eines
Schaubergwerks wogten. Spontan unterbrachen wir unsere Fahrt, um uns diese
Attraktion nicht entgehen zu lassen.
Nachdem wir zwei 5-Dollar-Tickets erwarben, waren wir Teil einer gerade 8köpfigen Gruppe, die durch eine in den Fels gehauene Wohnung geführt wurde, in der um 1950 ein Maler mit seiner Familie gelebt hat, zumindest wenn wir es richtig verstanden haben. Die Wohnung war im Stile der 50er eingerichtet und verfügte über Teppiche, Sofas, Kühlschrank, Herd und Mikrowelle, etc. Die Führung dauerte gerade einmal 15 Minuten und wir fühlten uns für diesen Eintrittspreis ein wenig geneppt.
Was soll’s, so hielt sich halt die Fahrtunterbrechung in Grenzen und alsbald waren wir zurück auf der südwärts führenden 191.
Ab der La Sal Junction folgten wir dem State Highway 46, der uns durch den
landschaftlich reizvollen Manti-La Sal National Forest und dem sich
anschließenden West Paradox Creek führte. Auf dem stur geradeaus verlaufenden
Highway hat man eine hervorragende Sicht auf das Bergmassiv des Uncompahgre
National Forest, dessen Columbine Pass immerhin in 2.780 m ü.d.M. liegt.
Der State Highway endet in dem Ort Bedrock, wo er in den State Highway 90
übergeht. Die wahrscheinlich einzige Sehenswürdigkeit Bedrock's ist das Post
Office-Gebäude, das sich unmittelbar am State Highway 46 befindet und in seinen
Ausmaßen eher einem Geräteschuppen als einem Haus ähnelt. Eine auf Halbmast
wehende Stars and Stripes erinnerte daran, dass heute vor 5 Jahren 2 Flugzeuge
in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York rasten und damit eine
bis dahin ungeahnte Art des Terrorismus einläuteten.
Weitere 275 km später erreichten wir Montrose, wo wir an der Mainstreet eine sehr schöne Country Lodge fanden, in der wir uns für die nächsten 2 Tage einquartierten.
Ein Teil der Gebäude dieser Lodge waren hufeisenförmig angelegt, in dessen Innenhof ein großer Pool dominierte. Die an diesem Innenhof angrenzenden Zimmer verfügten über eine Galerie, auf der es sich die Gäste auf bereit gestellten Gartenmöbeln bequem machen konnten. Da auch wir ein Zimmer an dieser Galerie bekamen, war der Weg zum Pool nicht sehr weit, was umgehend ausgenutzt wurde.
Wenn da nicht das Baby wäre, das die ganze Nacht im Nachbarzimmer geschrieen hätte, die Nacht wäre perfekt gewesen. Wenige Minuten vor 10 Uhr wendeten wir uns in der menschenleeren Lobby unserem aus Cornflakes und frischem Obst bestehenden Frühstück zu, um keine Stunde später den Südeingang des von Montrose etwa 20 km entfernten Black Canyon of the Gunnison Nationalpark zu passieren, wo uns unser Nationalpark-Pass wieder eine zügige Durchfahrt ermöglichte.
Nach dem obligatorischen Stop am Visitor-Center fuhren wir auf der
Panoramastraße, die hier South Rim Road heißt, zum entferntesten aller
Aussichtspunkte, dem in 2.523 m ü.d.M. liegenden High Point. Von hier führt ein
etwas über 1 1/4 km langer Wanderweg zum Warner Point, von dem sich eine
hervorragende Aussicht in den Canyon und dem im Tal verlaufenden Gunnison-River
bietet.
Der einstmals ein reißende Strom Gunnison River fräste sich in einem über 2 Millionen Jahre dauernden Prozess seinen Weg durch das dunkle Granit des zu den Rocky Mountains gehörende Uncompahgre Plateau, wobei das dabei zum Vorschein kommende Gestein 1,7 Milliarden Jahre alt ist.
Ganz besonders beeindruckt der Canyon am Painted View Point, der mit einen
Ausblick auf
den Painted Wall aufwartet. Gäbe es auf der "Gemalten Wand" eine
Aussichtsplattform, so könnte man von dieser an einer Steilwand hinab 700 Meter
in die Tiefe sehen. Damit gilt der Painted Wall als höchste Klippe Colorado's.
Ringsum kündigen die herbstlichen Bäume den Indian Summer an, deren gelb
gefärbten Blätter sich
kontrastreich vom dunklen Granit der Felsen absetzten.
Vom Süd-Eingang des Parks führt die sehr kurvenreichen East Portal Road über ein
Gefälle von bis zu 16 Prozent hinab zum Gunnison River und parallel weiter zum
Gunnison Diversion Staudamm. Schon allein der Aussicht wegen lohnt sich die
Fahrt auf dieser Panoramastraße. Schöner wäre aber gewesen, wenn die Zufahrt zum
Staudamm frei gewesen wäre, denn die Fahrt endet in Sichtweite des Staudamms vor
einem mit Stacheldraht geschützten Zaun.
Zurück am Südeingang verließen wir gegen 15:30 Uhr den Nationalpark, worauf wir
zu einem recht erfolglosen Shoppingbummel durch die Stores der Stadt aufbrachen,
uns zum Abendbrot bei Wendy's Burger und Chili Concarne bestellten und
schließlich den Tag im heißen Whirlpool der Lodge unter sternenklaren Himmel und
milden 23 Grad ausklingen ließen.![]()
Pünktlich
8:30 Uhr stärkten wir uns am einladend großen Glastisch der Lobby bei Cornflakes
und Obst. Keine 90 Minuten später verließen wir Montrose auf der US-50, auf der wir den größten Teil
unseres heutigen Streckenabschnittes zurücklegen werden. Nach vielleicht 150 km
führte uns der State Highway über den Monarch Pass, an dessen höchsten Punkt in
3.448 m ü.d.M. eine Raststätte eingerichtet ist. Vom Parkplatz der Raststätte
führt eine Seilbahn auf einen in 3.658 m ü.d.M. gelegenen Aussichtspunkt, von
dem sich aus Wanderungen beginnen lassen.
In Anbetracht der recht kühlen Temperaturen auf dem Pass von nur 14 Grad
tauschten wir die Shorts gegen lange Jeans und die Sandalen gegen unsere
Wanderstiefel. Die Snowboardjacke wurde entstaubt und nach Entrichtung des
Fahrpreises von 7 Dollar pro Nase stiegen wir in die Gondel, die den
Höhenunterschied von 218 m in gemütlichen 8 Minuten absolvierte. Oben genossen
wir bei klarem Wetter eine hervorragende Sicht auf die Rockies, wobei uns der
kräftig kühle Wind Dank unserer Kleidung wenig ausmachte. Unsere Vorbereitungen
waren also nicht übertrieben.
In
Salida unterbrachen wir unsere Fahrt für eine Lunch-Pause im örtlichen
Subway, wo wir ins Gespräch mit einem Bikerpärchen kamen. Nach unserem Weg
gefragt, empfahlen sie uns unbedingt einen Abstecher in den bei Canon City
liegenden "Royal George and Bridge Park", den wir etwa 90 Minuten
später erreichten.
Hauptattraktion dieses Vergnügungsparks ist die Royal George Bridge, welche den vom Arkansas River stellenweise bis zu 450 m tief ausgefrästen Royal George Canyon überspannt. Damit ist die Royal George Bridge die höchste Hängebrücke der Welt.
Um allerdings in den Genuss der Überquerung dieser Brücke zu kommen, gilt es
zunächst eine 21-Dollar-Hürde zu überwinden. Genau so hoch ist nämlich der
Betrag, der pro Person für den Eintritt in den Vergnügungspark zu entrichten
ist.
Als wir vor dem Kassenhäuschen des Parks standen und uns über den hohen Eintrittspreis ärgerten, lasen wir auf einem Schild, dass alle Attraktionen und Fahrgeschäfte um 16:30 Uhr schließen. Da es aber bereits 16:10 Uhr war, kamen wir auf die Idee, nach einer Art Abendkarte zu fragen, obwohl diese auf der Preistafel nicht separat ausgewiesen wurde. Dennoch ließ diese Frage den Eintrittspreis auf 11 Dollar je Person schrumpfen. Nun sind 22 Dollar ja auch nicht gerade wenig für einen kurzen Abstecher auf eine Brücke, aber schließlich handelt es sich ja nicht um irgendeine Brücke. Als wir zwei Karten orderten und 25 Dollar auf den Zahlteller legten, zwinkerte uns der Kassierer zu und hielt seinen Zeigefinger vor seinen Mund, als die Registrierkasse einen Preis von 11 Dollar anzeigte und er uns 14 Dollar Wechselgeld zurückgab.
Mit dem Buick fuhren wir über die Hängebrücke, deren Fahrbahnbelag aus Holzschwellen bestand, die unter der Last des SUV bedrohlich knarrten. Auf der anderen Seite der Brücke stellten wir den Wagen auf einem Parkplatz ab, um zu einem Aussichtpunkt zu gehen, von dem man die beste Aussicht auf die Brücke genießt. Und dieser ist schier unglaublich. Auf einer Länge von 384 m überspannt die Brücke den Canyon, der an dieser Stelle 321 m in die Tiefe führt.
Wir bemerkten die Gondel einer Seilbahn, die parallel zur Bridge den Canyon überquerte. Uns fiel das Schild am Kassenhäuschen ein, wonach alle Attraktionen um 16:30 Uhr schließen. Uns blieben noch 8 Minuten, die wir schnellen Schrittes zur Abfahrtsstelle der Seilbahn zurücklegten, waren aber ein wenig enttäuscht, als wir das "Closed"-Schildchen an deren Eingang entdeckten. Eine Mitarbeiterin befragt, ob denn wirklich keine Fahrt mehr gehe, erklärte sie uns, dass die Gondel noch ein letztes Mal übersetze und das "Closed"-Schildchen nur dem angrenzenden Souvenirshop galt.
Wenig später also bestiegen wir die Gondel, um die letzte Fahrt an diesem Tag miterleben zu dürfen. Wie es ist, in einer Gondel einen 321 m tiefen Canyon zu überqueren, lässt sich schwer beschreiben, kann sich aber sicher ein jeder vorstellen. Atemberaubend.
Die gegenüberliegende Station der Seilbahn befindet sich direkt am Haupteingang,
sodass wir nun zu Fuß die Brücke zu überqueren hatten, um zu unserem Auto
zurückzukehren. Im Canyon war es ziemlich windig, was aber bei inzwischen auf 27
Grad gestiegenen Temperaturen als äußerst angenehm empfunden wurde. Man mag
jedoch kaum glauben, welchen Vibrationen man auf der Brücke ausgesetzt ist,
obwohl kein Fahrzeug darauf fährt. Zudem finden sich zwischen den Holzschwellen
der Fahrbahn gern daumenbreite Abstände, die freie Sicht in den darunter
liegenden Canyon und den 321 m tiefer verlaufenden Arkansas River bieten. Ja
sicher, man weiß ja, dass sich unter der Brücke eben lange Zeit nichts befindet,
aber es jetzt auch noch zu sehen ist wirklich prickelnd.
Ganze 80 Minuten kostete uns der Ausflug in den Park, sodass wir gegen 18 Uhr
unsere Fahrt fortsetzten. Bei vorangeschrittener Dämmerung erreichten wir 19:20
Uhr Colorado Springs, wo wir uns in einem an einer ins Stadtzentrum führenden
Hauptverkehrsstraße liegenden Motel 6 einquartierten.![]()
19. Tag
Das Stadtzentrum
von Colorado Springs gehört eher zu
der kleineren Sorte und ward in einem kaum 2stündigen Spaziergang schnell
erkundetet.
Westlich der Stadt verläuft der Pike National Forest, dessen höchste Erhebung
der 4.301 m hohe Pikes Peak ist. Um den Gipfel des Pikes Peak braute sich
derweil ein Unwetter zusammen, welches uns alsbald heftige Gewitter
bescheren sollte und zugegebener Maßen unseren Stadtgang etwas beschleunigte.
Bei einsetzendem Gewitter erreichten wir unseren Jeep, in dessen Kofferraum noch immer unsere Koffer verstaut waren und fuhren in das nur 70 Meilen entfernte Denver, womit sich der Kreis unserer Rundreise schloss und das Ende unseres Urlaubes eingeläutet wurde. Schweren Herzens fuhren wir zu Flughafen, wo wir unseren geschundenen aber lieb gewonnenen Buick abgaben und uns zum CheckIn-Schalter von British Airways begaben.
Zu guter letzt noch was Statistisches:
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Auto: |
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Gefahrene Kilometer: |
5.650 |
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Durchschnittsverbrauch: |
10,5 l/100km |
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Durchschnittpreis je Gallone Regular |
2,745 US-$ |
(0,58 €/Liter) |
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Motel/Hotel: |
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Anzahl der Übernachtungen |
20 |
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Durchschnittspreis je Übernachtung |
64,54 US-$ |
(50,81 €/Nacht) |