Stürmisch, aber wohlbehalten setzte der Airbus der für uns bisher unbekannten, aber sehr komfortablen Airline Windjet, der uns am 26. Oktober 2004 von Rom in  die Sizilianische Hauptstadt brachte, auf dem Flughafen von Palermo auf.  Wenig später standen wir am Hertz-Schalter in der Haupthalle, wo wir unseren im Voraus gebuchten Ford Fiesta in Empfang nehmen wollten.

 

Es kam nicht wirklich überraschend, dass uns die Mitarbeiterin mit fast eingeübt wirkend bedauernden Blick über ihren Tresen hinweg mitteilte, dass leider kein Ford Fiesta verfügbar sei und wir in unserer Typenklasse zwischen einen Fiat Panda oder einem Seat Arosa wählen könnten. Gegen einen Aufpreis von 33,60 Euro könnten wir aber in eine andere Typenklasse wechseln und -siehe da- einen Ford Fiesta bekommen. Diese Logik soll einer verstehen.

 

Da uns nun wirklich nicht der Sinn nach einem Fiat Panda stand, bezahlten wir zähneknirschend die 36 Euro und machten uns auf den Weg zu unserem Gefährt. Angemerkt sei, dass wir uns nach unserem Urlaub an die Autoverleihfirma Holiday Autos GmbH  mit der Bitte um Prüfung wandten und prompt jeden einzelnen Cent zurückerstattet bekamen. Das verdient unseren Dank und einen Link.

  

Gegen 19 Uhr verließen wir dann endlich das Flughafengelände und stürzten uns ins Gewühl der abendlichen Rush Our von Palermo. Nachdem wir in dem unüberschaubaren Verkehrschaos annähernd eine Stunde zubrachten, erreichten wir am anderen Ende der Stadt die Autobahn, sodass uns von unserem Urlaubsort Taormina, auf der gegenüberliegenden Seite Siziliens gelegen, noch 260 km trennten.

 

Unser während unserer Reiseplanung gesetztes Ziel, spätestens 21 Uhr das Hotel zu erreichen, erwies sich plötzlich grotesk unrealistisch. Wir setzten uns diesen ehrgeizigen Plan, weil wir das Hotel mit Halbpension buchten und bis 21 Uhr unser Abendbrot in Empfang nehmen wollten. Nun schien es, dass uns statt eines gut gefüllten Buffets nur ein schnelles Gericht an einer Raststätte übrig bleiben sollte. Um sicher zu gehen, wählten wir die Nummer des Hotels und kündigten unsere verspätete Ankunft an. Auf unsere Frage hin versprach man, für uns eine Kleinigkeit zum Abendessen bereit zu halten.

 

Gegen 22 Uhr parkten wir den „Kleinen“ vor dem Haupteingang des in Letojanni gelegenen und an einem Hang terrassenförmig angelegten 4-Sterne Hotel Antares Olimpo. Der freundliche Herr an der Rezeption überreichte uns unseren Zimmerschlüssel und deutete auf das Restaurant, wo für uns eine Kleinigkeit bereitgestellt sei.

 

Unser großzügig bemessenes Zimmer lag in der obersten Etage und verfügte über einen Balkon, von dem man eine traumhafte Aussicht über das nächtliche Letojanni hinaus aufs Meer hatte. Im Bad überraschte uns ein Whirlpool, von denen es in diesem Hotel, wie wir später erfahren sollten, gerade einmal 5 Stück gibt.

 

Dem fortschreitenden Appetit nachgebend fuhren wir wieder hinunter ins Restaurant, wo wir einen für uns liebevoll eingedeckten Tisch mit zumeist sizilianischer Küche vorfanden. Neben reichlich Wurst, Käse, Oliven und Früchte stand auch eine große Flasche Wasser bereit. Von der benachbarten Bar drang dezente Musik zu uns, sodass zum Candlelight-Dinner nur noch das besagte Kerzenlicht fehlte.

 

Den Wohlfühlabend beendeten wir bei einer Flasche Wein auf dem Balkon unseres Zimmers, wo wir, geschützt, einem heftigen Gewitter beiwohnten, welches mehrfach zu kurzen Stromausfällen in der Stadt und unserem Hotel führte.

 

7. Tag

 

Das Frühstücksbuffet dieses Hotels stellt das des Cristoforo Colombo in Rom deutlich in den Schatten. Reichhaltige Vielfalt erwartete uns, um uns für den Tag zu stärken.

 

Nach unserem Frühstück begannen wir den Tag mit einem Strandspaziergang. Während das Wasser des Ionischen Meers sehr sauber war und zum Hineinspringen einlud, trotzte der feine Kieselsandstrand nur so vor Müll.

Später erfuhren wir, dass der Strand nur in der Saison von Unrat befreit wird und man fragt sich besorgt, was das für Menschen sein müssen, die diesen Strand in der restlichen Zeit so verkommen lassen. Ein Bild übrigens, dass uns während unserer Ausflüge auf Sizilien leider öfter begegnete.

 

Ganz anders dagegen das Flair des benachbarten Taormina. Auf einem Felsvorsprung des Monte Tauro liegt dieses Touristenzentrum 200 m über dem Meer. In den Strassen Taorminas sind Parkplätze Rarität und nur mit Mühe gelang es uns, einen solchen zu finden.

Wir schlenderten durch das malerische Taormina und folgten schließlich der mit zahlreichen Geschäften gesäumten Hauptstraße Corso Umberto, an deren Ende eines der bedeutendsten Bauwerke Taorminas liegt.

 

Im 2. Jahrhundert v. Chr. entstand hier das römische Amphitheater Teatro Greco, indem noch heute zu besonderen Anlässen Vorführungen stattfinden. Spektakulär ist die Aussicht bei schönem Wetter, wenn die durchbrochene Theaterwand den Blick auf das Meer und den Ätna freigibt. Soviel Glück hatten wir allerdings nicht, denn bei zwar sonnigen, aber dennoch diesigen Wetter blieb uns die Sicht auf den Ätna verwehrt.

 

Bei einer Wanderung durch Taormina fällt einem unweigerlich ein kleines Dorf auf, das scheinbar bedrohlich nah an den Abhang einer kleinen Bergspitze gebaut wurde. Hierbei handelt es sich um das Bergdorf Castelmola, dass sich auf dem Berg Monte Venere in 885 m Höhe ansiedelt und zu dessen Füßen sozusagen Taormina liegt. Mit seinen verwinkelten Gassen und dem für den Autoverkehr gesperrten Zentrum liegt dieser Ort weit ab vom Trubel Taorminas und war für uns der ideale Ort für einen Spaziergang. Leider verdüsterte sich der Himmel so stark, dass wir und am späten Nachmittag bei einsetzendem Gewitter entschieden, ins Hotel zurückzukehren.

 

Im Hotel erwartete uns eine angenehme Überraschung in Form eines gut gefüllten Körbchens mit Weintrauben, einer Flasche Sekt und dazu eine große Flasche Wasser. Unweigerlich schauten wir auf unsere Ausweise, ob wohl gerade einer von uns beiden Geburtstag hat. Da dem nicht so war, fassten wir die Gaben als verdammt nette Geste des Hotels auf.

 

Eine Wetterbesserung war den ganzen Abend nicht in Sicht. Für uns eine gute Gelegenheit, um uns nach dem reichlichen und vielfältigen Abendbrot von den Vorzügen eines Whirlpool überzeugen zu lassen.  

 

8. Tag

 

Müsste man spontan zwei Dinge nennen, die man mit Sizilien verbindet, wären wohl „Mafia" und „Ätna" die dominierenden Begriffe. Die Bekanntschaft mit der Mafia lässt sich für Touristen wohl umgehen, der Besuch des Ätna dagegen ist ein Muss.

 

Ergo fuhren wir mit unserem Wägelchen über Zafferana Etnea zu dem in 1910 m Höhe gelegenen Ausgangspunkt Rifugio Sapienza, wobei uns die Wegstrecke gut zwei Stunden in Anspruch nahm.

Die Auffahrt zum Ätna ist eine Schau. Bei dem letzten Vulkanausbruch 2002 hinterließ die glühende Lava eine Schneise der Verwüstung. Quer durch einen Wald rodete sie sich ihren Weg, um schließlich Strommasten, Souvenirhütten und die angrenzende Straße zu zerstören. Letztere wurde einfach auf dem platt gewalzten Lavastein neu errichtet.

 

Bei einem früheren Ausbruch wurden im Jahre 2001 große Teile einer Seilbahn zerstört, die ab Rifugio Sapienza hinauf zum Kraterrand führte. Noch heute liegen Reste dieser Seilbahn als stumme Zeugen fest eingebettet in der erkalteten Lava.

Heute führt eine neu errichtete Seilbahn von Rifugio Sapienza den Ätna hinauf nach La Montagnola in etwa 2.500 m Höhe. Die verbleibende Strecke bis zur Bergstation legt man schließlich mit Jeeps zurück. Die letzten Meter des unwirtlichen Geländes bis zum Kraterrand geht es dann zu Fuß mit einem Bergführer.

 

Die Sicht auf die weiße Bergspitze des Ätna und der vor uns stehende Höhenunterschied ließen auf recht kühle Temperaturen schließen und uns vorbeugend entsprechend warme Kleidung anziehen. Umso erstaunter waren wir, zwei englische Familien an der Talstation der Seilbahn anzutreffen, bei der selbst die Kinder mit kurzen Hosen bekleidet waren. Vielleicht übertrieben wir es mal wieder mit unseren Vorkehrungen. 

 

Die Tickets hinauf waren schnell gelöst. Allein die Fahrt mit der Seilbahn erleichterte unsere Urlaubskasse um 23 Euro pro Person. Für die sich anschließende Fahrt mit dem Jeep zur alten Bergstation Torre del Filosofo in 2917 m Höhe wurden noch einmal 15 Euro pro Person fällig. Zu guter letzt strich auch der ominöse Bergführer seinen Anteil von 7,50 Euro je Nase ein, sodass sich die Kosten für diesen wirklich lohnenswerten Ausflug auf 91 Euro für uns beide beliefen.

 

Beim Verlassen der Kabine an der Bergstation La Montagnola schlug uns eisiger Wind entgegen, der selbst unsere Vorkehrungen lau aussehen ließ. Wie es den Kindern der englischen Familie ergehen musste, erkannten wir daran, dass sie vor Kälte zitternd in Tränen ausbrachen.

 

An der Bergstation wurden Wattejacken zur Ausleihe angeboten, deren Gebühr von nur einem Euro wir gern berappten. Am verschneiten Kraterrand erwartete uns ein Klima der ungemütlichsten Sorte. Starker böiger Wind ließ uns kaum auf den Beinen stehen und die Temperaturen verdienten eher ein Minus als ein Plus vor der Gradzahl. An wackelfreie Filmaufnahmen war so gut wie nicht zu denken. Falls dann doch mal der Wind kurzzeitig nachließ, waren es die Temperaturen, die die Finger erfrieren ließen. Schnell bedauerten wir, nicht auch eine Mütze und Handschuhe eingepackt zu haben.

 

Trotz der unwirtlichen Bedingungen ließen wir uns bei der Umrundung des Kraterrandes reichlich Zeit. Die Aussicht über Land bis hin zum Meer und den vielen Nebenkratern des Ätna war gewaltig. Zu unserem Vergnügen ließ der Krater reichlich Wasserdampf entweichen, was uns immer wieder in geruchlosem Nebel einhüllen ließ.

 

Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir schließlich so durchgefroren, dass wir Schutz suchend zurück zum Jeep flüchteten und uns zur Bergstation der Seilbahn fahren ließen. Trotz dieser Umstände waren wir restlos begeistert und froh, diesen Ausflug unternommen zu haben. 

 

Zurück am Auto ließen wir uns von der voll aufgedrehten Heizung verwöhnen, während wir gen Taormina zurückfuhren und in Giardini Naxos geduldig den allabendlichen Berufsverkehr über uns ergehen ließen. So erreichten wir unser Hotel gegen 18:30 Uhr, worauf natürlich die obligatorische Tasse Kaffee Programm bestimmend war.

 

Nach dem Abendbrot brachen wir zu einem abendlichen Bummel durch die Altstadt Taorminas auf. Mit ihren verwinkelten und dezent beleuchteten Gassen strahlt Taormina gerade am Abend eine heimelnde Atmosphäre aus und ist wie geschaffen für Unternehmungen dieser Art.

 

Beim Bummel über den höher gelegenen Marktplatz, der am Tage eine gute Sicht auf Taormina und Umgebung bietet, entdeckten wir in einiger Entfernung ein rot leuchtendes Band, welches einen Berg empor zu stiegen schien und sich in der Dunkelheit kontrastreich abhob. Mangels logischer Erklärungen führten wir diese Erscheinung auf eine überdimensionierte Lichterkette zurück. Den wahren Ursprung sollten wir aber noch im Verlaufe des Abends erfahren, als wir wiederum am Marktplatz mit einem Berliner Ehepaar ins Gespräch kamen. Was da rot am Horizont glühte war Lava, die sich schon seit Wochen am Ätna ergoss. Für uns natürlich eine kleine Sensation.     

 

9. Tag

 

Als wir heute Morgen den Balkon unseres Zimmers betraten, um den herrlichen Tag zu begrüßen und uns an der Aussicht zu erfreuen, fuhr uns der Schreck in jeden einzelnen unserer Knochen. Statt der schönen Aussicht begrüßte uns eine dunkle Rauchwolke, die aus eine der unteren Etagen unseres Hotels zu kommen schien. Aufsteigende Hitze ließ keinen Zweifel daran, dass das Hotel lichterloh brannte. Eilig unsere Ausweise greifend, verließen wir fluchtartig unser Hotelzimmer und strebten eine nahe gelegene Feuertreppe an. Auf dem Gang stießen wir auf Zimmermädchen, die seelenruhig ihrer Arbeit nachgingen. Von dem Feuer informiert, nickten sie nur zustimmend und gingen weiterhin an ihre Arbeit. In Anbetracht der unerschrockenen Frauen konnte es wohl um das Hotel nicht allzu schlecht bestellt sein. Wir gingen tapfer in unser Zimmer zurück und konnten kurze Zeit später das Nachlassen der Rauchbildung beobachten.

 

Später, als wir das Hotel verließen, konnten wir erkennen, dass das Hotel unbeschadet war und lediglich ein Hang vor dem Hotel durch ein kontrolliertes Feuer gerodet wurde.

 

Unser Ausflug führte uns heute in das 120 km entfernte Syrakus, der bedeutendsten antiken Stadt der Insel.  Von Taormina folgten wir bis Catania der mautpflichtigen Autobahn, für deren Distanz von 50 km 1,20 Euro zu zahlen war. In Catania endet die Autobahn, sodass die nächsten 45 km auf der Landstraße zurückzulegen waren, um dann die verbleibenden 25 km wieder eine Autobahn nutzen zu können.

 

Der für Touristen sehenswerte Teil von Syrakus konzentriert sich auf die Insel Ortygia. Um Ortygia zu erreichen, braucht man in dem quirligen Verkehr der Stadt eigentlich nur den Richtungsschildern zu folgen. Aber gerade das erwies sich als ausgesprochen schwierig, denn die an den Kreuzungen aufgestellten Masten waren übersäht mit Richtungsschildern aller Art. Dennoch fündig geworden fanden wir einen kostenfreien Parkplatz in der Via Corso Umberto I., genau jener Straße, die über jenen Damm verläuft, der die Insel Ortygia mit dem Festland verbindet.

Der Via Corso Umberto I. inselseitig folgend stößt man unweigerlich auf den Piazza Pancali und den an dessen Südseite gelegenen Überresten des aus dem 6. Jahrhundert stammenden Apollon-Tempels. Die eher spärlichen Überreste des Apollon-Tempels gelten als ältestes Heiligtum der Stadt.

 

Über die rechts vom Tempel abzweigende Gasse Via Cavour erreichten wir gegen 14:30 Uhr den Piazza Duomo mit der barocken Basilika Duomo Santa Maria delle Colonne. Eine Besichtigung blieb uns aufgrund der sehr „touristenfreundlichen" Öffnungszeiten (9:30-12:30 Uhr und 16-17:30 Uhr) zunächst verwehrt. 

 

Wir schlenderten weiter und stießen am südlichen Zipfel der Insel in der Via Capodieci auf die tristen Mauern der Galleria Regionale di Palazzo Bellomo. Im Inneren dieses Museums besichtigten wir Plastiken, Fragmente und Gemälde der frühchristlichen Epoche. Das Highlight dieses Museums, das Gemälde „Begräbnis der hl. Lucia" von Caravaggio aus dem Jahre 1609, war während unseres Besuchs als Leihgabe an ein Museum in Neapel verliehen.

  

Nach Verlassen des Museums steuerten wir erneut die Basilika Duomo Santa Maria delle Colonne an, um die zuvor verwehrte Besichtigung nachzuholen. Welch Glück, durch die Basilika wurde gerade eine deutsche Reisegruppe geführt, sodass wir von deren Reiseführer allerlei Wissenswertes erfahren durften.

 

Schließlich verließen wir über die Piazza Pancali die Insel Ortygia und steuerten den mit einer Höhe von 80 Meter weit über die Grenzen der Stadt sichtbaren Wallfahrtsort Santuario della Madonna delle Lacrime an.

 

Der Legende nach vergoss die „Tränenmadonna", eine Figur aus Gips, am 29. August 1953 Tränen im Zimmer einer unheilbar erkrankten Frau, die daraufhin Heilung erfuhr. Die Wunder setzten sich fort. Blinde begannen zu sehen, Stumme fingen an zu sprechen. Zu Ehren der „Tränenmadonna" errichtete man dieses überdimensionale Zelt und seither kommen Pilger aus ganz Sizilien.

 

10. Tag

 

Wegen der beeindruckenden Sicht auf den qualmenden Kegel des Ätna empfiehlt sich die Anfahrt von Linguaglossa. Den braunen Richtungsschildern nach Etnea Nord folgend, erreichten wir den in etwa 1.900 m Höhe liegenden Parkplatz. 

 

Da sich der Krater in den vergangenen zwei Tagen nicht erheblich verändert haben dürfte, verzichteten wir auf die erneute Hinauffahrt und erkundeten das bei der Eruption 2002 arg in Mitleidenschaft geratene Gebiet auf eigene Faust. An einer Schautafel sind Bilder der letzten Eruption ausgestellt, auf denen zu sehen ist, wie sich die Lava unaufhaltsam und zerstörerisch ihren Weg ins Tal bahnte. Hier empfiehlt sich ein Abstecher zu der wirklich interessanten und informativen Homepage swisseduc.ch, auf der zahlreiche Bilder und Videoclips der 2002er Eruption zu sehen sind.

 

Während unserer Wanderung machten sich unsere Wanderstiefel mehr als bezahlt. Eine Wanderung über die sehr scharfkantigen und spitzen Lavasteine wären mit Turnschuhe oder gar Sandalen kaum zu bewältigen. 

 

Bei einsetzender Dunkelheit fuhren wir in das Dörfchen Milo und folgten damit der Empfehlung eines Pforzheimer Pärchens, die der Ansicht waren, dass man von dessen Marktplatz aus die beste Sicht auf den glühenden Lavastrom hat, der uns schon bei unserem Abendspaziergang durch Taormina zwei Tage zuvor faszinierte.

 

In Milo verpassten wir prompt den Markplatz und fuhren stattdessen immer weiter Richtung Ätna. Auf der gut ausgebauten Straße waren wir das einzige Fahrzeug, das die Dunkelheit durchbrach. Eine tief hängende Wolkendecke verhinderte, dass der Schein des Mondes zu uns durchdrang. In der Hoffnung, jeden Augenblick glühende Lava zu sichten, folgten wir der steil ansteigenden Straße, die alsbald in der Wolkendecke verschwand. Dunkelheit, kein Auto weit und breit, Sichtweiten weit unter 50 Meter und am Straßenrand nur schemenhaft karge Bäume ließen ein Gänsehaut-Feeling aufkommen, dass an den Gruselschocker „The Fog – Nebel des Grauens“ erinnerte. Irgendwann durchbrachen wir die Wolkendecke, sodass wenigstens der Nebel aufhörte. Von der Lava war weit und breit nichts zu sehen. Das auf der Straße herumwirbelnde Laub erinnerte uns daran, dass der Herbst Einzug hält.

 

Da es keinen Sinn machte, noch weiter zu fahren, wendeten wir schließlich und tauchten erneut in die gruselige Wolkendecke ein. Unterhalb dieser erreichten wir wieder Milo und verließen an einer Straßengabelung die Hauptstraße und landeten direkt am Marktplatz. Die Sicht vom Marktplatz auf den glühenden Lavastrom war zwar besser, als von Taormina aus, aber weniger spektakulär, als wir es uns erhofft haben. Wir konnten sehen, wie der Strom verläuft und sich die Flüsse teilen, aber richtig nah heran sind wir nicht gekommen. Dazu dürfte auch das Gelände zu unwegsam sein.

 

11. Tag

 

Unser heutiger Ausflug machte es erforderlich, dass wir bereits gegen 8 Uhr am Frühstückstisch saßen. Da kam uns die Stunde mehr, die uns im Zuge der Zeitumstellung auf Winterzeit geschenkt wurde, gerade recht.

 

Über Messina folgten wir der teilweise mautpflichtigen Autobahn und erreichten 100 Minuten später die im Norden gelegene Hafenstadt Milazzo, Ausgangspunkt für Fahrten zu der vor Sizilien gelegenen Inselgruppe Isole Eolie.

 

Die Inselgruppe Isole Eolie im Tyrrhenischen Meer umfasst 7 kleine Inseln vulkanischen Ursprungs, wobei von den sieben Vulkanen heute nur noch zwei aktiv sind, Stromboli und Vulcano. Die größte und bekannteste Insel der Inselgruppe ist mit 37,6 km² Lipari. Etwas kleiner nimmt sich dagegen mit 21,2 km² und gerade einmal 717 Einwohnern die Insel Vulcano aus, die wir aufgrund des aktiven Vulkans und der Nähe zu Sizilien zum Ziel unseres heutigen Ausfluges wählten.

Die Überfahrt von Milazzo dauerte gerade einmal 45 Minuten und kostete 9,40 Euro/Person einfache Fahrt. Bereits beim Verlassen der Fähre wird man überfallen vom penetranten Schwefelgeruch, der die gesamte Insel erfüllt.

 

Der letzte Ausbruch des Grand Cratere, wie der Schwefelvulkan genannt wird, geht auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Wissenschaftler warnen, dass der Grand Cratere jederzeit wieder ausbrechen kann. Doch ungeachtet dieser Warnungen finden zahlreiche Bauaktivitäten am Fuße des Vulkans statt.

 

Zielstrebig steuerten wir zum Fuße des 391 m hohen Vulkans, um uns an den Aufstieg zu wagen. Eine Hinweistafel warnt davor, die Schwefeldämpfe einzuatmen, da sie sehr giftig sind. Man ist also gut beraten, einen entsprechenden Nase-Mund-Schutz bei sich zu führen. Nur wer fährt mit so etwas in den Urlaub? Wir jedenfalls nicht. Somit mussten wir uns mit einem Taschentuch vor der Nase begnügen.

 

Der Aufstieg erfolgt über einen gut angelegten aber sehr steilen Wanderweg. Bevor es aber richtig bergan ging, passierten wir eine wahllos an den Wegesrand gestellte Blechhütte, vor der hinter einem aufgestellten Tisch ein junger Mann saß und für den Aufstieg 3 Euro pro Person forderte. Da er amtlich aussehende Tickets ausgab, gingen wir von der Rechtmäßigkeit dieser Aktion aus und zahlten den geforderten Betrag. Fadenscheinig kam uns das aber allemal vor.

 

Den Krater in seiner Pracht hatten wir ganz für uns allein. Außer uns befand sich niemand hier oben. Der Kraterrand war übersäht von Fumarolen, aus denen ständig bis zu 700 Grad heißer Schwefeldampf an die Oberfläche drang. Die Ränder der Fumarolen

waren gelb vom Schwefel und der Gestank war unerträglich.

 

Während unserer Kraterumrundung

hatten wir zahlreiche dieser Fumarolen zu überqueren, was im wahrsten Sinne des Wortes eine sehr heiße Angelegenheit war.

 

Erst im oberen Teil des Kraterrandes, der Höhenunterschied betrug vielleicht 40 Meter, ließ Dank der Windrichtung der Schwefelgeruch merklich nach und man konnte die Aussicht in den Krater hinein, dem Schwefel bedeckten Kraterrand und darüber hinaus auf die Nachbarinsel Lipari genießen. An klaren Tagen, unserer war wieder einmal eher trüb, soll man vom Kraterrand bis zum Ätna blicken können.

 

Gegen 15:45 Uhr ging es mit reichlich Eindrücken im Gepäck an den Abstieg, worauf wir einen weiteren beliebten Anlaufpunkt der Insel ansteuerten. In unmittelbarer Nähe zum Hafen am Ufer gelegen befindet sich eine Geotherme, dessen schwefelhaltiges Fangobad durch Fumarolen natürlich erhitzt wird und dessen therapeutische Wirkung bei Einheimischen und Gästen außerordentlich geschätzt wird. Für ein Schlammbad reichte unsere Zeit indes nicht mehr, denn um 17:10 Uhr legte unsere  Fähre Richtung Milazzo ab.

 

12. Tag 

 

An unserem letzten Urlaubstag auf Sizilien brachen wir nach dem Frühstück in Richtung Aci Trezza auf. Bis zum Erreichen unseres Zieles benötigten wir gut und gerne 3 Stunden, was aber weniger an der Entfernung sondern vielmehr an einem Shoppingcenter lag, das unseren Weg kreuzte und in welchem wir viel Zeit verbrachten, sodass wir erst am frühen Nachmittag in Aci Trezza ankamen.

 

Der griechischen Mythologie zu Folge befand sich in der Nähe dieses Fischerdorfes die Höhle des einäugigen Zyklopen Polyphem, der Odysseus und seine Begleiter gefangen hielt. Odysseus gelang es, den Zyklopen betrunken zu machen und zu blenden. Um die Flucht des Odysseus zu verhindern, schleuderte der geblendete Polyphem Felsbrocken nach Odysseus, die aber ihr Ziel verfehlten und stattdessen am Ufer von Aci Trezza landeten. Seither ragen die Spitzen der Felsbrocken bis zu 70 Meter aus dem Wasser und verleihen dem Küstenabschnitt seinen Namen, Zyklopenküste.

 

Die Sonne des Nachmittags lud zum Verweilen ein. An der Uferpromenade fanden wir eine freie Bank und reihten uns ein in die Riege derer, die die Zeit treiben ließen.

Der Strand der Zyklopenküste steht in dem Ruf, besser zu sein als der von Taormina. Allerdings haben wir diese Stelle nicht gefunden. Während sich das glasklare Wasser friedlich in der Sonne spiegelt, erwecken Strand und Klippen den Eindruck, als Mülldeponie missbraucht zu werden. Schade, dass ein so schöner Ort derart verkommen gelassen wird. 

 

Gegen 15 Uhr beendeten wir unseren Aufenthalt in Aci Trezza mit einem kleinen Stadtbummel, worauf wir zurück nach Taormina fuhren, im Hotel die obligatorische Tasse Kaffee schlürften und uns an das Packen unserer Koffer wagten.

 

Nach dem Abendessen fuhren wir ins belebte Zentrum von Taormina, wo wir an diesem schwülwarmen Abend einem letzten Spaziergang durch die Gassen unternahmen. Selbstredend gönnte sich Mario noch eines von diesem unglaublich leckeren Eis, das in diesem Reisebericht zu Unrecht noch keine Erwähnung gefunden hat.

 

13. Tag 

 

Bereits gegen 7 Uhr war Bettina unter der Dusche anzutreffen. Kaum 30 Minuten später saßen wir bei unserem letzten Frühstück im Hotelrestaurant. Gegen 8:15 Uhr stülpten wir unsere Koffer in den kleinen Kofferraum des Fiesta und fuhren via Catania quer über die Insel zum Flughafen der nordwestlich gelegenen Hauptstadt Palermo. Nach einer 2¾stündigen Fahrt und einer Orgie von Hupen, Fingerzeigen und Lichthupen auf Hauptstadt´s Straßen, wir „erdreisteten“ uns, statt der erlaubten 50 km/h „nur“ 80 km/h zu fahren, erreichten wir den Flughafen, wo wir das Auto mit insgesamt 1471 abgespulten Kilometer in irgendeinem Winkel des völlig überfüllten Parkplatzes abstellten.

 

Die Kosten für die Flugtickets von Berlin nach Rom des stornierten Fluges der VolareWeb wurden nie erstattet.

 

 

 

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