Dank boomender LowCost-Airlines liegen die Sehenswürdigkeiten Europas nur ein paar Euros entfernt. Was liegt also näher, als auch von den günstigen Preisen zu profitieren? Anbieter gibt es mittlerweile genug, sodass allein der Preis entscheidet. Schnell fündig wurden wir bei Air Berlin, die uns für 69 Euro/Person plus Steuern einluden, mit ihnen nach Italien zu Reisen. Bedeutend preiswerter bot sich die italienische VolareWeb an, die uns das Ticket für nur 19,99 Euro überlassen wollten. Bei zwei Personen plus Steuern wurden für den Flug Berlin-Rom gerade einmal 107 Euro fällig.
Noch billiger wurde es für den Trip nach
Sizilien. Nur 9,99 Euro wollte man für den Flug von Rom nach Palermo. Mit
Steuern waren wir für 79,06 Euro an Bord. Na wenn das keine Aussichten sind.
Aber den Hammerpreis boten uns schließlich Hapag-Lloyd, die uns für
unglaubliche 29,99 Euro/Person von Palermo nonstop nach Berlin befördern
wollten. Dieser Preis beinhaltete bereits alle Steuern und Gebühren. 59,98
Euro für Zwei von Palermo nach Berlin. Das sind etwa 2.400 km, da kann nicht
einmal der sparsamste Kleinwagen Paroli bieten, selbst wenn man nur die
reinen Spritkosten berücksichtigt.

Die Preise gefielen natürlich und so buchten wir für nicht einmal 250 Euro die Relation Berlin-Rom-Palermo-Berlin. Auch Hotel und Mietwagen waren schnell gebucht und wir fieberten unserem Urlaub entgegen.
Das Abenteuer begann pünktlich 16 Uhr am Vortag unseres Abfluges nach Rom mit einem Anruf von VolareWeb, wo uns mitgeteilt wurde, dass unser Flug am Folgetag gestrichen sei. Ja gut, dass so etwas vorkommen kann, kennt man ja aus Filmen. Aber so was kann doch unmöglich uns passieren. Auf die Frage nach Alternativen wurde uns die Relation Warschau-Rom angeboten, aber wie wir nach Warschau kommen, wäre unser Problem und unsere Rechnung. Auch hätte man noch Amsterdam-Venedig anzubieten, natürlich bei eigener Anreise. Super.
Zwar kommen wir nun nicht nach Rom, dafür war es aber super billig.
Im Internet prüften wir bei anderen Airlines die Kapazitäten für einen Flug nach Rom am Folgetag. Lufthansa bot noch freie Plätze für 700 Euro/Person . . . schluck, Air Berlin hatte noch Restplätze in der 6 Uhr-Maschine für 189 Euro das Stück . . . boah.
In der Hoffnung auf Erleuchtung steuerten wir keine sechzig Minuten später den Flughafen an, wo unsere Frage nach dem „Was nun?" am Info-Stand Schulter zuckend beantwortet wurde. Wie sich herausstellen sollte, hat VolareWeb aus wirtschaftlichen Gründen den Flugbetrieb bereits eine Woche zuvor nach ganz Deutschland eingestellt. Somit standen mit uns in ganz Deutschland verteilt zahlreiche Passagiere ganz schön bedeppert rum. Und die Szenen, die sich mitunter am Flughafen abgespielt haben, sollen nicht schön gewesen sein.
Bei allem Ärger waren wir dennoch froh, nicht
erst am nächsten Tag vor Abflug von dem Malheur erfahren zu haben. Was blieb
uns also anderes übrig, als am Air Berlin-Counter für 378 Euro zwei
zusätzliche Tickets zu erwerben.![]()
Donnerstag, den 21. Oktober 2004
Pünktlich um 4:30 Uhr wartet das Taxi vor der Haustür, um uns durch das erwachende Berlin zum Flughafen zu bringen. Gut 3½ Stunden später setzte uns Air Berlin am Flughafen Rom Fiumicino ab, wo wir uns unsere Koffer griffen und zum Bahn-Terminal wechselten.
Die Fahrt vom internationalen Flughafen ins Stadtzentrum erweist sich in Rom als ausgesprochen unkompliziert. 2-mal in der Stunde verbindet ein Expresszug den Flughafen Fiumicino mit Roms Hauptbahnhof Termini. Die Fahrkarte für die 45minütige Fahrt kostet 9,50 Euro je Person, einfache Fahrt.
Unser Hotel, das
Cristoforo Colombo, liegt in dem noch jungen, weil erst 1951 fertig
gestellten Bezirk EUR. Unsere Wahl fiel auf dieses zugegebener Maßen nicht
ganz so zentral gelegenen Hotels aufgrund eines Special-Angebotes. Im
Allgemeinen sind Hotelzimmer eine recht kostspielige Angelegenheit.
Für ein Doppelzimmer in einem 3-Sterne-Haus
sind schon 100 Euro und mehr zu veranschlagen. Das komfortable Doppelzimmer
im 4-Sterne Cristoforo Colombo hingegen überließ man uns für 72 Euro/Nacht
inkl. Frühstück. Für Römische Verhältnisse ein unschlagbares Angebot.
Nachdem unsere Sachen vom Koffer in die Schränke wechselten und wir einen kurzen Mittagsschlaf absolvierten, brachen wir gegen 16 Uhr zu einem ersten Stadtbummel auf.
An der Metro-Station „Colosseo“ entstiegen wir dem Untergrund direkt in den Schatten des mächtigen Amphitheaters Kolosseum. Obwohl beeindruckt und begierig mehr zu sehen, beließen wir es bei einer Außenbesichtigung und schlenderten weiter zu einer nahe gelegenen Touristinformation wo wir uns mit reichlich Kartenmaterial und Ideen für Touren der nächsten Tage versorgten, um anschließend zur Santa Maria Maggiore weiterzubummeln. .
Der Legende nach erschien Papst Liberius im Jahre 352 die heilige Maria, die ihm auftat, an dem Platz eine Kirche zu errichten, wo es am Folgetag, dem 5. August, schneien würde. Zur Erinnerung an den tatsächlich gefallenen Schnee schneit es seither an diesem Festtag Blütenblätter vom Kirchendach. Hier nahmen wir uns die Zeit zu einer Besichtigung und wohnten einer Andacht bei.
Bei
einsetzender Dunkelheit folgten wir der Via dei Fori Imperiali,
die uns geradewegs zum imposanten Monumento a Vittorio Emanuele II. führte,
wo wir unseren ersten Stadtbummel mit ein paar Nachtaufnahmen beendeten.
2. Tag
Um 8 Uhr begann für uns der Tag, als uns weniger das Zwitschern der Vögel sondern vielmehr der Lärm einer nahe gelegenen Baustelle aus unseren Träumen riss. Wenn schon Urlaub in der Großstadt, dann doch bitte mit allen Konsequenzen, oder mit Fenstern der Schallschutzklasse 4.
30 Minuten später ließen wir uns im Restaurant das Frühstück servieren und ahnten nicht, dass vor uns der wohl verrückteste und erlebnisreichste Urlaubstag aller Zeiten liegt.
Auf dem Weg zur Bushaltestelle deckten wir uns am nächsten Tabakshop mit reichlich Fahrkarten für die römischen Verkehrsbetriebe ein. Der Busfahrer eines ankommenden Linienbusses begrüßte uns beim Einsteigen in temperamentvollen Italienisch und und donnerte uns eine Salve von Informationen entgegen, die wir allesamt nicht verstanden, weil wir des Italienischen nicht mächtig sind. Irgendwann entdeckte er unsere betretenen Minen und winkte uns nur verständnislos weiter, worauf er seine Fahrt fortsetzte.

Die Fahrt des Busses endete an der Metrostation EUR Fermi und unserem noch nicht begonnenen Stadtbummel stellten sich Hindernisse in Form von verschlossenen Gittertoren am Eingang zu Metrostation in den Weg. Ganz langsam dämmerte uns, was uns der Busfahrer mitzuteilen versuchte. Die Mitarbeiter des Nahverkehrs befinden sich im Streik. Die nächsten 5 Stunden soll sich an Bus und Bahn kein Rad drehen. Bingo.
In der Traube der Hilflosen befanden sich erstaunlich viele Deutsche, mit denen man zwangslogisch ins Gespräch kam. Ein Paar trat an uns heran und fragte, ob man sich gemeinsam ein Taxi ins Stadtzentrum teilen wolle. Ein anderes Paar berichtete, dass sie Tags zuvor für diese Tour mit dem Taxi 45 Euro bezahlten. Aber was bleibt einem übrig. Zum Laufen war es definitiv zu weit und 22,50 Euro sind immer noch besser als 45 Euro. Also arrangierten wir uns mit dem Ehepaar auf eine gemeinsame Taxifahrt und einigten uns auf das Ziel Piazza di Venezia, sozusagen dem Vorgarten des Monumento a Vittorio Emanuele II., als just in der Sekunde ein Taxi an uns vorbei fuhr. Die dann folgende Szene schien wirklich wie gestellt. Ein kurzer Pfiff hinterher und das Taxi hielt. Wir vier stiegen ein und das Taxi setzte sich in Bewegung und fuhr keine 50 Meter weiter an einem Taxistand vorbei, an dem zahllose Passanten warteten. Ach her je, aber ausgestiegen sind wir trotzdem nicht.
Die Fahrt in die Innenstadt dauerte etwa 25-30 Minuten und kostete zu unserer Überraschung nur 12 Euro, ergo 6 Euro je Pärchen. Soviel also zur Zuverlässigkeit manch römischer Taxifahrer.
Kaum dem Taxi entstiegen, zog uns auch schon
das Monument Vittorio Emanuele II. mit seinen schwer beeindruckenden
Ausmaßen in seinen Bann.
Der 70 m hohe, 135 m breite und 130 m tiefe
„Altar des Vaterlandes" entstand zum Gedenken an Viktor Emanuel II., der
durch die Eroberung Roms im Jahre 1870 Italien geeint hatte. Sonderlich
beliebt soll das Bauwerk wegen seiner Ausmaße bei den Römern allerdings
nicht gerade sein, mit Ausnahme der Terrasse.
Schließlich ist dies der
einzige Platz der Stadt, von wo aus man das Monument nicht sieht, egal wohin
man schaut.
In der brütenden Mittagssonne erklommen wir die zahlreichen Stufen bis zur Säulen-Galerie, wo wir mit einer hervorragenden Sicht auf das wolkenlose, aber dunstige Rom belohnt wurden.
Nicht weniger spektakulär geht es im Inneren des Gebäudes zu, wo -romtypisch- zahlreiche Ausgrabungsstücke und Relikte vergangener Zeiten, sowie eine Wanderausstellung über die NS-Zeit zu besichtigen waren.
Nur wenige Gehminuten vom Monument entfernt
befindet eines der erstaunlichsten Zeugnisse antiker Baukunst. Bereits vor
über 2000 Jahren entstand 27 v. Chr. das Pantheon, dessen Kuppel mit ihren
43,3 m Durchmesser bis heute die größte der Welt ist und dabei die Kuppel
des Petersdoms um 74 cm übertrifft. Zentral in der Mitte der Kuppel klafft
ein 9 Meter großes Loch, das damals die einzige
Lichtquelle des Raumes
bildete.
Das Pantheon beeindruckte uns sosehr, dass wir auch in den nächsten Tagen nicht umhin kamen, diesem Tempel mal eben einen Besuch abzustatten und bei der Gelegenheit auf der davor liegenden Piazza della Rotonda in einem Straßencafé auf einen Espresso vorbeizuschauen.
Unser Weg indes führte uns weiter gen Vatikan, glaubten wir zumindest. Aber trotz frisch erworbenem Stadtplan verliefen wir uns im Wirrwarr der Gassen und gelangten so unbeabsichtigt zur Santa Maria sopra Minerva, der einzigen großen gotischen Kirche in Rom.
Bekannt ist dieses mit einer eher unscheinbaren Fassade geschmückte Bauwerk durch den kleinsten Obelisken der Stadt, für den Bernini einen Elefanten geschaffen hat. Im Inneren wird man von der erstaunlich räumlichen und mit Fresken gestalteten Capella Carafa überrascht.
Dank unseres Stadtplanes die Orientierung wieder gefunden, hielten wir uns in Richtung Engelsburg und überquerten zunächst auf der gleichnamigen Brücke den Tiber.
Es geht recht multikulturell zu auf
Engelsbrücke, dem einstigen Hinrichtungsplatz des päpstlichen Rom. Heute
bieten zumeist Schwarzafrikaner Taschen, Uhren und mehr wie auf einem Basar
feil.
Die Engelsburg streifend gelangten wir zum
sehr weiträumig abgesperrten Petersplatz, dessen großflächige Bestuhlung auf
eine baldige Messe schließen ließ. Zu unserem Verdruss blieb uns aber auch
noch der Zugang zum Petersdom verwehrt, sodass uns nicht vielmehr blieb, als
der Schweizer Garde beim Wache stehen zuzusehen, was aber nicht wirklich
abwechslungsreich war. An der Information erfuhren wir schließlich,
dass der Petersdom heute aufgrund einer Messe um 17 Uhr und am morgigen
Vormittag wegen einer Messe auf dem Petersplatz für den Besucherverkehr
geschlossen bleibt. Auf unsere naive Frage, ob wir
denn der morgigen Messe auf dem Petersplatz beiwohnen können, bekamen wir
zur Antwort, dass wir selbstverständlich auch an der heutigen 17 Uhr-Messe
im Petersdom teilnehmen können.
Diese Einladung war nun wirklich
unwiderstehlich. Einer Messe im Petersdom mit Papst Johannes Paul II., der
schon seit geraumer Zeit gesundheitlich sehr angeschlagen wirkt, konnten wir
uns unmöglich widersetzen. Der Programmablauf des heutigen Abends war also
geregelt.

Geduldig stellten wir uns ans Ende der bis dahin noch kurzen Schlange, um die verbleibenden zwei Stunden bis zum Beginn der Messe, die übrigens den Studenten und Mitarbeitern der kirchlichen Fakultäten und allen Universitäten gewidmet wurde, stehend zu verbringen. In den darauf folgenden 15 Minuten reihten sich nach uns so viele Menschen ein, dass die Schlange den Petersplatz zur Hälfte umrundete.
Bereits gegen 16 Uhr wurde mit dem Einlass begonnen. Nachdem wir die Sicherheitskontrollen, die denen am Flughafen in nichts nachstehen, überstanden hatten, fanden wir im Petersdom einen guten Sitzplatz, von dem wir eine hervorragende Sicht auf den Hauptaltar mit seinen von vier gedrehten Säulen getragenen Baldachin hatten, den Bernini im Jahre 1633 errichtete hatte.
In den folgenden 120
Minuten
erlebten wir eine perfekt organisierte Show, die in der Kulisse des hell
beleuchteten Petersdom mehr als beeindruckte. Höhepunkt war natürlich die Begegnung mit Papst
Johannes Paul II.,
der von seiner Krankheit sehr geschwächt wirkte. Im Rollstuhl sitzend
verfolgte er die von einem Kardinal abgehaltene Messe und bei den wenigen
Worten und Gebeten, die er sprach, war die Anstrengung in jedem seiner Worte
zu hören.
Als zum Ende der Messe der Papst unter großem Beifall heraus geschoben wurde, blieben uns noch vage 45 Minuten, um ins Hotel zu gelangen, ohne dass uns der Streik erneut überrascht.
Durch die verständlicher Weise nun sehr gut gefüllten Strassen trieben wir im Strom der Massen zur nächstgelegenen Metrostation Ottaviano San Petro, die immerhin etwa einen Kilometer vom Petersplatz entfernt liegt, um einen der letzten Züge zu erwischen.
Exakt zwei Minuten vor Acht Uhr erreichten wir die Station EUR Fermi. Mit uns verließen zahlreiche Passanten die Bahn und gemeinsam steuerten wir den Ausgang an. Als eine für uns natürlich unverständliche Durchsage über die Bahnsteiglautsprecher folgte, setzten die vielen Fahrgäste zu einem Spurt auf die Ausgänge an. In der Hoffnung, doch vielleicht noch einen Bus zu ergattern, spurteten wir halt mit, was aber, wie sich schnell herausstellen sollte, unnütz war.
Um sicher zu gehen, dass nicht doch noch ein Bus geht, erkundigten wir uns beim Fahrer eines gerade angekommenen Busses. Zwar erriet der Fahrer sofort, in welchem Hotel wir wohnten, bedauerte aber sehr, dass nun kein Bus mehr verkehre. Allerdings forderte er uns auf, einen kleinen Augenblick zu warten, was wir dann auch auf einer bereitstehenden Parkbank taten. Keine zwei Minuten später, als sich der Haltestellenbereich etwas leerte, fordert er uns auf, in seinen Bus einzusteigen und geduckt Platz zu nehmen. Er wollte so verhindern, dass uns andere Fahrgäste sehen oder gar Kollegen. Nachdem noch die Fahrgastraumbeleuchtung ausgeschaltet wurde, setzte sich der Bus in Bewegung Richtung seines Depots, direkt vorbei am Cristoforo Colombo, sodass wir Viertel nach acht Uhr unser Hotelzimmer erreichten.
Langweilig war es heut wirklich nicht.
Dieser Vormittag wurde für die Messe auf dem Petersplatz reserviert. Dabei ging es uns weniger um die Messe selbst, vielmehr wollten wir den imposanten Eindruck aufnehmen, den ein mit mehreren tausend Menschen gefüllter Petersplatz hinterlässt. Eben jene Bilder, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt.
Während die Messe um 10 Uhr begann, saßen wir
gerade am Frühstückstisch. Wir spekulierten, dass die Messe wieder 2 Stunden
andauern würde, sodass es ausreicht, wenn wir gegen 11 Uhr das Haus
verlassen.
Tatsächlich erreichten wir auf demselben Weg,
den wir am gestrigen Abend für unsere Rückreise nutzten, um Viertel vor 12
Uhr den Petersplatz, wo die Messe noch voll zugange
war. Auf Großleinwänden konnte man des Papstes
Urbi et Orbi vernehmen und ihm
bei seinen Segnungen zusehen, bevor er gegen12:30 Uhr sein Papamobil bestieg und damit das Ende der Messe nahte.
Noch ein wenig auf dem Petersplatz verweilend
wohnten wir der volksfestartigen Stimmung bei, die abertausende Pilger mit
Sprechchören und Liedern verbreiteten. Beladen mit reichlich Eindrücken und
Filmmaterial schlenderten wir schließlich entlang des Tiber bis zur
Engelsburg, wo wir das "Museo Nazionale di Castel Sant' Angelo" besichtigen
wollten. Leider blieb es auch nur bei der Absicht, denn außer uns hatten zig
andere diese Idee und die Schlange vor dem Eingang schien unüberschaubar.
Ergo setzten wir ohne Besichtigung unseren
Weg entlang des Tiber-Ufers fort und steuerten, vorbei am prunkvollen
Palazzo di Giustizia, zielstrebig die sehr belebte Einkaufs- und Flaniermeile Via del Corso an,
die sich vom Piazza di Venezia mit seinem Monument Vittorio Emanuele II. bis
zum Piazza del Popolo im Norden erstreckt.

Nur wenige Passanten finden bei ihrem Bummel entlang der Via del Corso den Weg in die Basilica dei SS Ambrogio e Carlo. Das mag zum Teil an der wirklich schlichten Fassade liegen, die nun wirklich keine Aufmerksamkeit erregt. Dabei hat die Basilika mehr zu bieten als Ruhe und kühle Temperaturen, was zugegeben in den aufgeheizten Straßen Roms sehr willkommen ist. Das Innere der Basilika wurde prunkvoll, fast überladen gestaltet. So, als würde man dem Petersdom in nichts nachstehen wollen.
Unser Exkurs auf der Via del Corso endete an der Piazza del Popolo. Über ein paar Stufen erreichten wir den Piazza Napoleone I. auf dem Hügel Pincio und damit die riesige Gartenanlage der Villa Borghese. Dieser Garten mit seinen Brunnen und Statuen ist der ideale Ort, um sich von den Strapazen einer Stadtbesichtigung zu erholen und Kraft zu tanken für bevorstehende Ausflüge. Auf einer der vielen Parkbänke ließen wir Rom und sein Verkehr für eine Weile hinter uns.
Den schönsten Blick der Stadt, so heißt es, hat man vom eben erwähnten Piazza Napoleone I. Spektakulär die Aussicht zur Abendzeit, wenn die Sonne am Horizont verschwindet und die Silhouette des Petersdoms in glühendes Licht taucht.
Wir tauchten schließlich auch, und zwar von
der Piazza del Popolo in die Via del Babuino, wo Männlein und Weiblein zu
gleichen Teilen auf ihre Kosten kommen. Während Mann sich staunend die Augen
reibt im Anblick so vieler Luxus-Karossen, drückt sich Frau die Nase platt
an den Schaufenstern der Edelboutiquen mit karätigen Namen wie Channel,
Tiffany, Yves Saint Laurent etc., um schließlich des kargen Budget wegen feststellen
zu müssen, dass man
ja
eigentlich zur Stadtbesichtigung in Rom ist und nicht zum Shoppen. Und so
ist es gut, dass einem die Via del Babuino direkt zur Piazza di Spagna und
damit zu einem der berühmtesten Plätze Roms führt. Das berühmte an diesem
Platz ist seine Treppe, die seit 1726 hinauf auf den Pincio und damit direkt
zum Garten der Villa Borghese führt. Die Rede ist natürlich von der
Spanischen Treppe, die zu Roms Schauplätzen Nummer eins zählt.
Hier trifft
sich jung und alt, hier sitzt man auf den Stufen, warum weiß wohl keiner so
genau. Wahrscheinlich aber um das schier undurchdringliche Gewirr rund um
den Platz und in den sich anschließenden Gassen zu überschauen.
Wir suchten uns einen freien Platz auf den Stufen, versuchten das schier unüberschaubare Gewimmel zu erfassen und gehörten für einen kleinen Augenblick dazu, bevor wir in das Gewimmel eindrangen und erst an der Fontana di Trevi, dem berühmtesten aller Springbrunnen, entkommen konnten.
Seit 1762 lenkt der Meeresgott Oceanus ein
wildes und ein sanftes Pferd, welche von Seedämonen geführt werden. Und
spätestens seit Fellinis Film „La dolce Vita" (1960), als Anita Ekberg vor
den Augen Marcello Mastroiannis baden geht, ist der Brunnen weltberühmt.
Der Legende nach kehrt derjenige nach Rom zurück, der mit dem Rücken zum Brunnen stehend mit der rechten Hand über die linke Schulter eine Münze ins Wasser wirft. Rom ist wirklich schön, aber auch sehr laut, hektisch und stickig. Dies ist unser dritter Tag in Rom und wir haben keine Münze geworfen.
Vom fortschreitenden Appetit gepeinigt kehrten wir -ein Wortspiel muss sein- beim Italiener ein, um schließlich noch am Pantheon, am Monument Vittorio Emanuele II. und zuletzt am Kolosseum ein paar Nachtaufnahmen zu machen.
Faszinierender Weise beobachteten wir am
Kolosseum zu später Stunde 5 verschiedene Brautpaare, die ihren ganz
besonderen Tag von ihren Fotografen mit der antiken Arena als Kulisse
verewigen ließen.
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4. Tag
Wie jede Großstadt verfügt auch Rom über ein funktionierendes Nahverkehrssystem. Erstaunlicher Weise spielen Verspätungen in Rom trotz des dichten Verkehrs keine Rolle. Und das hat auch einen Grund. Verspäten kann sich nur, wer sich nach einem Fahrplan richten muss. Und Fahrpläne haben wir während unseres ganzen Aufenthaltes nicht gesehen. An den Haltestellen sind zwar die Linien ausgeschildert, die an dieser Haltestelle stoppen. Auch das Ziel und Unterwegshalte kann man diesen Schildern entnehmen. Aber einen Minutenplan suchten wir vergebens. Entweder es kommt ein Bus, oder es kommt eben keiner. Raffiniert. Heute Morgen kam ein Bus. Aber bis er kam haben wir uns 30 Minuten die Füße platt getreten. Wohl doch nicht so raffiniert.
Irgendwann erreichten wir die Metro und mit dieser schließlich den Petersplatz.
Obwohl wir nun schon zweimal im Vatikan
waren, kamen wir nicht umhin, auch diesen Tag am Petersplatz zu beginnen,
denn bisher ist uns eine Besichtigung aufgrund der Messen verwehrt geblieben
und das holten wir heute nach.
Das Warten also gewohnt stellten wir uns ans
Ende der Schlange für den Aufstieg zu der bis zum Kreuz 137 m hohen Kuppel,
um nach 45minütiger Wartezeit die 320 Stufen zur Aussichtsplattform zu
erklimmen. Entsprechend der Schlange vor dem Aufstieg ging es hier oben zu.
In einem vollbesetzten Bus in der Rush hour gibt es mehr Bewegungsfreiheit.
Um jeden Platz am Geländer musste gerungen werden. Umso mehr entschädigte der Ausblick
auf die hektische Stadt.
Im Petersdom sah die Situation nicht viel
besser aus. Weite Teile waren noch immer abgesperrt, in denen noch
Aufräumarbeiten der letzten Messe zugange waren. Auf den wenigen freien
Flächen verteilten sich die Ströme stetig eintreffender Touristen, sodass
eine Besichtigung kaum möglich war.
Als wir uns schließlich vom Vatikan verabschiedeten, zeigte die Uhr bereits halb vier und meinte, es sei beste Kaffeezeit. Also bummelten wir zum Pantheon zurück, setzten uns an der Piazza della Rotonda in unser Straßenkaffee und beobachteten über eine Stunde lang das bunte Treiben. So ein Stadtbummel kann ganz schön schlauchen.
Die Müdigkeit verschwand blitzartig am Piazza Navona, vom Pantheon nur zwei Querstraßen entfernt gelegen. Am Abend
pilgern Touristen und Römer zu Hauff auf den Platz um sich zu vergnügen, am
Puls der Stadt. Hier trifft man auf Straßenkomödianten, Feuerschlucker, auf
Laiendarsteller, Portraitzeichner, auf Pantomimen und Karikaturisten und
vielen mehr.
Nach vielleicht einer Stunde guter
Unterhaltung bummelten wir durch die umliegenden Gassen und landeten so eher
zufällig auf der Via dei Coronari, die ersten Adresse Roms, wenn es um
Antiquitäten geht. Die mit einem grünen Teppich gesäumte autofreie Gasse
lädt gerade am Abend zu einem Spaziergang ein, wenn vor jedem der
zahlreichen Antiquitätengeschäfte Kerzen und Fackeln eine romantische
Atmosphäre versprühen.
Gegen 20 Uhr kehrten wir in eines der vielen,
um diese Zeit gut besuchten Restaurants ein, wo wir nur mit Glück
einen Tisch für zwei
erhaschten. Mit der Wahl des Restaurants landeten wir einen Glücksgriff.
Zwar ging es ausgesprochen eng zu, aber die Stimmung war grandios, wozu die trotz der Hektik stets
gutgelaunten Kellner wesentlich beitrugen. Pizzas werden nach Wunsch vor den
Augen der Gäste zubereitet und gebacken. Bettina wählte Lasagne und Mario
kam an einem Berg Muscheln nicht vorbei. Dazu gab es Salat, Wasser und Wein.
Für alles zahlten wir gerade einmal 22 Euro, was wir sehr moderat finden.
Der Name des Restaurant ist "Novana Notte" und eine Empfehlung wert.
Den Tag beendeten wir schließlich genauso, wie wir ihn begonnen hatten, als wir 30 Minuten auf den Bus warteten, um ins Hotel zurückzukehren.
5. Tag
Am heutigen Vormittag
bummelten wir durch die vielen kleinen Shops entlang der
Via del Corso, die wir zu Fuß, vorbei am
Monument Vittorio Emanuele II., erreichten. Die stark befahrene
Hauptverkehrsader führte uns schließlich
zum Piazza Colonna, dessen
Platzmitte die namensgebende Säule Colonna di Marco Aurelio ziert. In ihren
Reliefs werden die Kriegsereignisse des Kaisers gegen die germanischen
Stämme der Markomannen von 172/173 erzählt.

Am frühen Nachmittag erreichten wir das Anfiteatrum Flavium, so der offizielle Name des Kolosseums, dem wohl berühmtesten Bauwerk Roms.
Nach
einigem Anstehen und der darauf folgenden Erleichterung unserer Urlaubskasse
um 10 Euro pro Nase traten wir ein in ein 48,5 m hohes und 50.000 Zuschauer
fassendes Amphitheater, dessen Fertigstellung im Jahre 80 n. Chr. mit
100tätigen Festspielen eingeweiht wurde.
Nach dieser ausführlichen Besichtigung fuhren wir schnurstracks zum Hotel zurück, um den späten Nachmittag relaxend und Kaffee schlürfend im Hotel zu verbringen und uns auf die bevorstehende Weiterfahrt nach Sizilien vorzubereiten.
Gegen 19:30 Uhr brachen wir zu
einem längeren Spaziergang in die nähere Umgebung des Hotels auf, worauf wir
gegen 21:30 Uhr zu einem Abschiedsessen in eine vornehme Pizzeria einkehrten,
in der wir mit einem Glas Sekt
begrüßt wurden. Bettina wählte ihre obligatorische Portion Nudeln, dieses
Mal mit Muscheln, Mario spendierte sich ein Gericht mit 4 Sorten Fleisch. Zu
seinem erstaunen befand sich außer den 4 Sorten Fleisch lediglich ein
kleines Salatblatt auf dem Teller, sodass hier noch Salat und Pommes als
Extra nachbestellt wurden. Die Preise summierten sich auch genüsslich. Die
Nudeln veranschlagten 10 Euro, der nackte Teller Fleisch 13 Euro, die
Portion Pommes 4 Euro, ein Bier kostete ebenso 4 Euro und für den Service
berechnete man 3 Euro. Dafür speisten wir in edlem Ambiente, sodass der
Preis in Ordnung geht.![]()
6. Tag
An unserem letzten Tag in Rom saßen wir gegen 8 Uhr beim Frühstück. Etwa eineinhalb Stunden später verließen wir das Hotel und fuhren zunächst zum Hauptbahnhof Termini, wo wir die nächsten 40 Minuten in einer Schlange vor der Gepäckaufbewahrung zubrachten. Da es uns trotz der zahlreichen Anläufe bisher nicht gelang, den Petersdom in Ruhe zu besichtigen, starteten wir einen letzten Versuch und fuhren nach Vatikanstadt.

Da standen wir nun, inmitten der größten
Kirche der Christenheit und unsere Ausdauer wurde sogar belohnt. Diesmal
hinderten uns keine Absperrungen in unserer Bewegungsfreiheit. So blieben
uns Michelangelos Pietá genauso wenig verborgen, wie die Papstgrabmäler in
den Grotten. Und ganz nahe, vis-a-vis dem Hauptaltar wirkt der Baldachin
noch mächtiger.
Gegen 13 Uhr fuhren wir mit der Metro zurück
zum Hauptbahnhof und wurden auf unserer letzten U-Bahn-Fahrt beinahe noch
Opfer von Taschendieben. Hat sich in der vollbesetzten Metro doch
tatsächlich ein Langfinger an Marios Handy zu schaffen gemacht. Profi konnte
er nicht gewesen sein, denn sonst hätte das Handy weg sein müssen. So aber merkte Mario das Gezuppel an
der Handytasche und konnte rechtzeitig eingreifen. Die überall in der Metro
angebrachten Warnhinweise sind also
aktueller denn je.
Am Hauptbahnhof bevollmächtigten wir uns wieder unserer Koffer, bevor wir für die schon erwähnten 9,50 Euro pro Person in der 1. Klasse des Airportshuttle Platz nahmen. 1. Klasse deshalb, weil dieser Zug gar keine 2. Klasse führt. Ist dafür aber weniger komfortabel als angenommen.
Damit endet unser Aufenthalt in Rom. Nach doch sehr beschwerlichen 5 Tagen in Italiens Hauptstadt erwartet uns nun hoffentlich eine erholsamere Woche auf Sizilien.